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Der Morgen · 1934-04-01 · Heft 1 (April 1934) · p. 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
10 (1934-1935)
Issue
Heft 1 (April 1934)
Article
Der Garten des Sergeanten Dardar
Date
1934-04-01
Page
22 (sequence 5)
Language
German
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M. Y. Ben-Gavriel: Der Garten des Sergeanten Dardar nachsprechen konnten, wenn man sie ihnen vorsagte. Dies alles konnte sie nicht aufhalten; ja nicht einmal ein Schuß durch das Fleisch des linken Oberarms, den Baruch eines Tages aus einem kleinen Scharmützel mit unbekannten und unsichtbaren Baumschützen davontrug, konnte die so plötzlich erwachte Liebe zu dem unbekannten Land der Heiligkeit dämpfen oder diesen merkwürdigen Zug von zwei Pilgern mit Gewehr und patronengespicktem Gürtel auch nur verzögern. Sie durchquerten den westlichen Zipfel Persiens und traten in das Zweiströmeland Irak ein, dessen Verhältnisse ebenso wenig geklärt waren wie die im Reich des versilberten Löwen. Auch hier stießen sie auf das Mißtrauen Aller gegen Alle, hatten Händel mit Assyrern, Kurdern, Beduinen und merkwürdig bekleideten Leuten, die sonderbare Kopfbedeckungen über strohblonden Haaren trugen und, wie es schien, von niemandem besonders geliebt wurden. Einmal wurden sie sogar von einem Trupp dieser Leute gefangen. Mit großer Mühe gelang es ihnen, nächtlicher Weile zu entweichen, wobei Baruchs Gewehr zurückbleiben mußte, so daß sie sich wochenlang mit einer einzigen Waffe zu behelfen hatten, was in Nissan eine unauslöschliche Abneigung gegen die blonden Leute in den grünen Uniformen erweckte. Erst weit unten im Süden gelang es ihnen, aus einem Beduinenlager ihre Bewaffnung in einem unbeobachteten Augenblick wieder zu ergänzen. Dort unten hatten sie auch das Glück, auf Fremde zu stoßen, die eine Karawane nach Palästina ausrüsteten und zu diesem Zweck Leute suchten, die sich vor etwaigen Zwischenfällen in der Wüste nicht fürchteten. Auf diese Weise durchquerten sie die Wüste, was ihnen ohne diesen Glücksfall — den sie mit fatalistischer Ruhe als selbstverständliche Fügung des Schicksals entgegennahmen — wohl kaum gelungen wäre, und betraten eines Morgens den durch britische Polizeireiterposten gekennzeichneten Boden Palästinas. Augenblicklich verließen sie die Karawane, verrichteten feierlicher als sonst ihr Morgengebet und schritten in das Land hinein. Vorerst bemerkten sie keine besondere Veränderung; sie kamen durch arabische Orte, passierten Beduinenlager, und als sie sich in einem dieser Lager nach dem neuen jüdischen König erkundigten, stießen sie auf verständnislose Mienen. Sie schrieben das ihren sehr mangelhaften arabibischen Sprachkenntnissen zu und gingen weiter. Am andern Tag sahen sie unten im Tal ein großes Zeltlager, das anders aussah als die Zeltlager der Beduinen. „Vielleicht ist es das Heerlager des Königs", sagte Nissan, und Baruch schoß begeistert als Antwort seine Flinte in die Luft ab. (Fortsetzung folgt) 22

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