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Der Morgen · 1934-03-01 · Heft 9 (März 1934) · p. 524

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 9 (März 1934)
Article
Gespräch mit einem toten Professor über eine lebendige Dichtung [Rezension]
Date
1934-03-01
Page
524 (sequence 1)
Language
German
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Gespräch mit einem toten Professor über eine lebendige Dichtung (R. Beer-Hofmann, Der junge David) Als Paul Heyse, der allzu früh vergessene Dichter der „Kinder der Welt", sein Drama „Sau!" im Sinne hatte, besprach er diesen Plan mit seinem gelehrten Freunde, dem Erz- Philologen und „Stockjuden" Jakob Bernays. Der aber riet ihm aufs entschiedenste ab: wohl könne man aus den griechischen Mythen, die immer noch etwas Flüssig-Bewegtes behielten, eine Tragödie schaffen; nicht aber aus den granitnen Gestalten der Bibel, „die nun noch obendrein auf dem unverrückbaren Piedcstal eines geschriebenen Buches stehen, das mit allen seinen Tüttelchen in das Gedächtnis der Menschen übergegangen ist". Vor allem an Gestalten wie Saul, „diese Lava, die aus dem Innersten des Feucrberges hervorgebrochen und nun in dem Buche starr geworden ist tuid zu ewigem Stehen gebracht . . .", solle er sich nicht wagen. Paul Heyse ist damals dem Rate des klugen Freundes gefolgt; auch ein anderer deutscher Dichter, Richard Dehmel, hat nach jahrelangem Sinnen schließlich auf die Gestaltung des großen Stoffes verzichten müssen. Nun aber hat sich, mehr als zwei Menschenalter nach jenem Briefe von Bernays an Heyse, wieder ein Dichter jenem ewigen Stoffe genaht; und gern führten wir den alten Jakob Bernays vor dies Drama, das — merkwürdig zu hören — gerade aus jener Grundhaltung dem biblischen Stoffe gegenüber hervorging, die Bernays' oben erwähnte Worte an Heyse atmen. Spricht der Philologe von den „granitnen Gestalten" der Bibel, so bezeugte Richard Bcer-Hofmann, der Dichter des „Jungen David" (Verlag S. Fischer, Berlin 1933), erst kürzlich, daß „es vermessen gewesen wäre, an das innerste Wesen einer Gestalt zu rühren, die — so wie die Bibel sie formte — mit eben dieser Bibel durch die Jahrtausende heiligster Besitz ungezählter Millionen wurde". Was hätte der unbestechliche Bernays zu diesem Drama gesagt? Mit dem Wohlgefallen des echten klassischen Philologen hätte er wohl zunächst die unendliche Arbeits-Treue erkannt, die Beer-Hofmann nun seit mehr als einem halben Menschenalter diesem Werke widmet. Und mit fcinschmeckerischem Gaumen würde der alte Herr wohl zuerst die archäologischen Einzelheiten würdigen, die dieser aus den Gräbern aufsteigenden altisraelitischen Königszeit erst Farbe und Kleid, Fülle und Glanz geben — ob es nun die hethitisehen Doppeladler sind oder die Silberschlangen am Schilde der Danitischen Krieger. Es ist ein merkwürdiges Zusammentreffen, so würde der Professor dann wohl kopfschüttelnd feststellen, daß die beiden großen Dichter, die in dieser scheinbar bibelfernen Zeit es unternahmen, biblische Stoffe neu zu beleben, Thomas Mann und Richard Beer-Hofmann — sich beide mit dem Rüstzeug der Wissenschaft zu panzern nicht versäumten. Aber dann würde der Kunstfreund in Jakob Bernays wohl den Philologen beiseite drängen — und er würde sich ganz der Wirkung dieser starken und edlen Dichtung hingeben, wie er einst vor Heines 524

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