Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 9 (März 1934)
- Article
- Legende von den Juden
- Date
- 1934-03-01
- Page
- 505 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Max Samter: Legende von den Juden (Fortsetzung) Die erste Aufgabe, die das Arbeitslager sich gestellt hatte, die Urbarmachung eines steinigen, mit Baumstümpfen durchsetzten Gebiets und die Anlegung eines Verbindungsgrabens, der unter Zwischenschaltung eines selbsterdachten Stauwerks Wasser aus einem nicht allzuweit entfernten See heranführen sollte, war nahezu vollendet. Noch war über die nächsten Pläne nichts entschieden, da begann in den Freizeiten ein seltsames Geraune. Die Jungen steckten die Köpfe zusammen, Bleistifte und Papier lagen auf den Tischen, es wurde gezeichnet und gerechnet, und der Führer, der wahrlich nicht mit Blindheit geschlagen war, ging herum, als ob er von allem nichts sähe. Er konnte warten. Schon in den nächsten Tagen erschien eine Abordnung bei ihm, die aus drei Jungen bestand, unter denen auch Herbert war, der sich gut in die Gemeinschaft eingefügt hatte. Sie hatten eine Bitte. Sie seien doch nun bald fertig mit der Arbeit, die ihnen aufgetragen sei, und sie würden gern etwas vorschlagen. Sie hatten etwas Geld gesammelt, eigentlich um sich ein Segelflugzeug zu bauen, inzwischen war ihnen aber ein viel schönerer Gedanke gekommen: sie würden sich ein richtiges, festes Haus bauen, hauptsächlich aus Holz natürlich, weil sie das billig bekämen, aber mit ein paar Steinen als Unterbau, sie hätten jemand, der sie ihnen beinahe schenken würde, die Pläne wären fertig und die Arbeit genau eingeteilt, sie hätten vor, den Keller als Luftschutzraum auszubauen, außerdem sollte jeder, der mitgearbeitet hatte, einen Schrank und einen Stuhl mit seinem Namen bekommen, zu ebener Erde käme dann eine Küche und ein Gemeinschaftssaal, und im ersten Stock sollten vier Zimmer abgeteilt werden, eins für die Kranken, drei für die Leitung des Lagers. Nach kurzem Bedenken ließ der Leiter sich überzeugen, daß die Kosten getragen werden konnten und erklärte sich sogar bereit, von der Regierung einen Beitrag anzufordern, da die Notwendigkeit des Hauses nicht bezweifelt werden konnte. So gingen sie denn an die Arbeit. Als Ort wurde die Anhöhe des Lagers, dicht unter dem Gipfel gewählt, von der aus man weit ins Land sehen konnte. Es war ein Lieblingsplatz Herberts, der die Freizeit meist hier oben verbrachte, um den politischen Unterhaltungen zu entgehen; die Abende waren warm, er legte sich unter die uralten Bäume und sah, wie der Schatten der 505