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Der Morgen · 1934-03-01 · Heft 9 (März 1934) · p. 499

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 9 (März 1934)
Article
Der "Morgen" im zehnten Jahr
Date
1934-03-01
Page
499 (sequence 2)
Language
German
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Rückblick - Umblick - Ausblick logen, Brücken des Verständnisses geschlagen. Wenn auch jüdische Themen bei weitem überwogen — gedacht sei etwa an die fruchtbare Mitarbeit Max Dienemanns, der gemeinsam mit Margarete Goldstein die Zeitschrift nach Julius Goldsteins Tode fünf Jahre hindurch leitete, an Benno Jacobs wertvollen Bibelkommentar, an die deutsche Übersetzung von Edmonds Flegs „Warum ich Jude bin" — so drängte sich doch die jüdische Fragestellung nicht einmal immer vor. Die Ein-oder Zweimonatsschrift ist auf innerjüdischem Gebiet in der glücklichen Lage, sich von der reinen Tagespolitik fernzuhalten. Der Name Franz Rosenzweig, der über den Tod dieses beseelten und ringenden deutschen Juden hinaus zum mindesten die Blickrichtung der Zeitschrift bestimmte, bleibt ein Zeichen für die Art von parteibefreiten Judentum, das sich in unseren Blättern mit den Jahren zusehends durchsetzte, das sich überall da notwendig durchsetzen muß, wo es um echtes Verständnis des jüdischen Gesamtdaseins vom Anfang bis heute geht. Die erstaunliche Fülle des Stoffes, die schon in den neun vergangenen Jahrgängen des „Morgen" niedergelegt ist, kann als eine Art Präludium zu einem gegliederten, ohne gelehrte Pedanterie systematischen Begleittext jüdischen Lebens — in seiner ungeteilten Fülle, aber auch mit seinen Widersprüchen — in der nächsten Zukunft gelten. Denn auf die Kräftigung und das Bewußtmachen der jüdischen Komponente aus unserer deutsch-jüdischen Zwienatur wird unser Ziel noch lange Zeit gerichtet sein müssen. Eine aktuelle und gleichzeitig fundierte, nicht bloß auf das Interesse der Stunde gerichtete Zeitschrift, die das jüdische Leben in Deutschland begleitet, ist auf das in den neun Jahren errichtete imponierende Fundament des alten „Morgen" zu setzen. Eine lebenswichtige jüdische Aufgabe, der Kraft der Besten unter uns wert. Ludwig Feuchtwanger. Die Umstellung des „Morgen" zu einer Monatsschrift und die damit verbundene lebendigere und aktuellere Erscheinungsform haben in der jüdischen Presse ein durchweg zustimmendes Echo gefunden. So schreibt die „C.V.¬ Zeitung" (4/1934): Die Zeitschrift bildet sich nun schnell zu der Form und dem Niveau heraus, die ihrem Ziel cntsprcdien. seit sie einem größeren Leserkreis genügen will, und spricht ihr eine beherrschende Rolle innerhalb des jüdischen Lebens unserer Zeit zu. Ein ebenfalls zustimmendes, wenn auch durch zionistische Vorbehalte eingeschränktes Urteil fällt die „Jüdische Rundschau" (97/33): Vom zionistischen Standpunkt sind gewiß gegen die Haltung vieler Aufsätze Einwendungen zu erheben. Aber es ist im Gegensatz zu früher ein Boden geschaffen, auf dem eine Diskussion möglich ist. So wird die Zeitschrift . . . auch den zionistischen Lesern zweifellos manches Wert- 499

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