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Der Morgen · 1934-03-01 · Heft 9 (März 1934) · p. 497

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 9 (März 1934)
Article
Purim
Date
1934-03-01
Page
497 (sequence 2)
Language
German
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Max Dienemann: Purim Daß es geschah, daß ein so lächerlich geringfügiges Ereignis wie jenes, daß der König eine Nacht einmal keinen Schlaf finden konnte, der Anlaß zu der großen Wendung wurde, das eben ist der Ausdruck der Tatsache des Glaubens, daß hier Gott selbst eingriff und das Rad der Geschichte anstieß, wie er es wollte und nicht wie Menschen es wollten. Purim — ein Wunder; und doch zirkelt alles um die Menschen jener Tage und ihre Beziehungen zueinander. Und das Wunder wird wirksam, weil es Beziehungen, menschliche Beziehungen zwischen Juden und den andern gab. Uns gefallen diese Beziehungen nicht, und die Art der handelnden Menschen noch weniger. Esthers Beziehungen zu Ahasveros, dem König, liegen nicht auf der Ebene, auf der wir uns das Leben der Jüdin wünschen und träumen, und die Art ihres Handelns wird niemand als vorbildlich bezeichnen wollen; uns wird auch nicht davon erzählt, weil hier Vorbild empfunden wird. Und doch hätte alles nicht so geschehen können, wenn nicht menschliche Beziehungen über alles Trennende hinweg dagewesen wären, wenn nicht ein Gebietender an dem Menschen, den er kannte, anders über die Juden zu denken begonnen hätte als Haman sie ihm geschildert hatte. Es ist das ewige Wunder in der Geschichte Israels: immer ist es in der Minderheit, immer ist es umdroht, immer ist es am Rande der Vernichtung, immer steht es vor dem Ende; wenn es auf seine Kraft sich verlassen wollte, es wäre sicher verloren, wenn es auf Menschen sich stützen müßte, sie wären ohnmächtig. Daß es bleibt und dauert, ist immer das Walten Gottes, seine Lenkung der Geschichte. Von Purim geht für alle Betrachtung jüdischer Geschichte und jüdischen Erlebens die Erkenntnis aus: ein Wunder nicht zu begreifen, nicht zu errechnen. Purim ist ein Tag der Erinnerung daran, daß Gott Sorgen und Furcht von unsern Schultern nehmen kann. Max Dienemann. Einigkeit in der JSTot Wenn Israel in Not ist. und einer von Ihnen sondert sidi ab. so kommen zwei Engel und legen ihm die Hände aufs Haupt und spredien: Dieser, der sich von der Gemeinde abgesondert hat, soll nidit die Tröstung der Gemeinde sehen. Wenn die Gemeinde in Not ist. soll der Mensdi nidit sagen: Ich gehe in mein Haus und esse und trinke und Frieden hat meine Seele. ... Nein, der Mensch soll mit der Gemeinde audi das Leid mittragen. So finden wir, daß Mose, unser Lehrer. Friede über ihn! mit der Gemeinde das Leid mittrug.... Mose spradi: Da Israel in Not ist, will auch idi midi in der Not ihnen zugesellen.— Wer aber die Not in der Gemeinde mitempfindet, der gelangt audi dazu, die Tröstung der Gemeinde zu sehen. (Tanna debe Elijahu sutta. Perek I) 497

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