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Der Morgen · 1934-03-01 · Heft 9 (März 1934) · p. 486

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 9 (März 1934)
Article
Zwei Grundsteine der Gemeinschaft
Date
1934-03-01
Page
486 (sequence 2)
Language
German
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Zwei Grundsteine der Gemeinschaft doch tatsächlich und rechtlich besteht. Sie geht von einem bestimmt gewollten Judentum aus, dem die Rassenauffassung von der mindestens unerwünschten Mischehe die Richtung zu einer Art biologischen Einheit gibt. Die Unwahrscheinlichkeit der Einbürgerung fremdstaatlicher zuwandernder Juden schließt eine wesentliche biologische Erweiterung von außen her aus; die Ausbürgerungsgesetze zeigen zudem den Willen des Gesetzgebers, allzu kurze staatsbürgerliche Zugehörigkeit wieder aufzuheben und den Kreis der deutschen Juden dadurch noch enger zu schließen. Es ist natürlich, daß der so bestehende, relativ und absolut kleine Menschenkreis sich auch geistig eigengewillt und selbstgestaltend auf einheitliche Voraussetzungen des Geistes und der Bildung stützen muß: die Geschichte hat uns nicht nur an das Ende einer Epoche gestellt, sondern uns auch den Beginn einer neuen aufgegeben. Eine solche Einheitlichkeit läßt schöpferisch-geistige Kräfte nicht verkümmern, wird auch geistesgeschichtlich bedeutsame Bildungsformen nicht beseitigen. Aber die Vielgestaltigkeit darf erst auf jener höheren Ebene eintreten, wo der Mensch zur Eigenformung reif geworden ist. Das einheitliche Bildungsgrunderlebnis ist der Boden, aus dem ein echtes Gemeinschaftsbewußtsein vorn deutschen Judentum wachsen kann. Und ohne dieses Bewußtsein wird die einheitliche jüdische Schicksalsgestaltung in Deutschland, die uns von außen auferlegt ist, keine innere Bejahung finden. Dem gleichen Ziel eines sich bewußt als Gemeinschaft empfindenden deutschen Judentums dient auch der Beiratsbeschluß. Mancher mag leise bedauern, daß eine solche sichtbare Bannung von Juden aus der jüdisch-verantwortlichen Sphäre nicht schon früher möglich gewesen ist, um dadurch Schänder des jüdischen Namens nach außen hin als schädliche Einzelgänger zu charakterisieren. Was aber damals, als noch Individuum und Individuum, Individuum und Staat sich in einer Art privater Sphäre gegenüberstanden, zu Pharisäertum und philiströser Splitterrichterei hätte führen können, ist heute eine unvermeidliche Notwendigkeit. Denn wie heute ein Jude in Deutschland lebt und spricht, wie man ihn beurteilt, das wirkt auf die Gesamtheit zurück. Es muß deshalb möglich sein, den Gemeinschaftswert oder -Unwert dessen öffentlich festzustellen, was Juden über jüdische Dinge 486

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