Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 8 (Februar 1934)
- Article
- Mein Berufswunsch und die Wirklichkeit
- Date
- 1934-02-01
- Page
- 469 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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,JÜein Berufswunsch und die WirklichJceiC etwas zu arbeiten, was man nicht gerne tut, finde ich schlimmer, als wenn man zu wenig dafür bezahlt bekommt. Schließlich empfahl er mir den Klempnerberuf. Da ich denke, daß der Mann doch davon viel versteht, und weil ich ihn auch ganz schön finde, habe ich mir als Klempner aufschreiben lassen. Neuerdings wurde mir Steward zu werden vorgeschlagen. Ein Beruf auf einem Schiff war eigentlich immer mein innerster Wunsch. Da ich aber nicht nur an der Mögliclüccit zweifle, sondern es für ganz ausgeschlossen halte, hatte ich nicht darüber gesproclien. Ich habe jetzt den Berufsberater gefragt. Dieser hielt diese Möglichkeil für sehr unwahrscheinlich, behielt sich jedoch vor, an mich zu denken, falls so etwas in Frage käme; — es wird aber wahrscheinlich nicht dazu kommen, da sicherlich nur ein jüdisches Schiff dazu in Frage kommt. Diesen oder einen älinlichen Beruf würde ich sehr gerne nehmen, weil man dann immer in frischer Luft ist und weil ich das Kinderhort-Leben schon so satt habe, daß ich froh wäre, auf diese Art wegzukommen. Der Berater hielt mir vor, wie mir zumute sein wird, wenn ich ein Schiff betrete. Ich warf aber diese Bemerkung mit der Begründung zurück, daß es mir, da ich sowieso kein Elternhaus mehr habe, wenig ausmachen wird. Zuweilen muß ein Wunsch aber auch im Kampf gegen die Autorität der Eltern begraben werden: Die Berufswahl ist nicht immer von dem Wählenden, sondern zum größten Teil von den wirtschaftlichen, politischen und familiösen Verhältnissen abhängig. Bei mir trifft der letzte Satz voll und ganz zu. Mein erster Wunsch war, Tischler zu werden. Als ieh diesen Wunsch meinen Eltern mitteilte, fand ich auf beiden Seiten keine Beglaubigung. Der einzige Wunsch meiner Mutter ist und war, daß ich Kürschner werden sollte. Tagelang ging durcli meine Gedanken, den Unterschied zwischen Tischler nnd Kürschner zu finden. Nach langem Grübeln fand ich endlich eine glaubhafte Antwort. Ich sagte „Kürschner wäre ein staubiger und gefahrvoller Beruf, was beim Tisehlerberuf nicht der Fall i^t". Da machte mein Vater mir den letzten Strich durch die Rechnung. Er behauptete mit Recht, ich sei körperlich für Tischler unfähig; da ich dem letzten Stoß nicht widerstehen kann, habe ich mich entschlossen, jedem handwerklichen Beruf, der mir geboten wird, zu folgen. Sehr konkret stellt sich einer der Schreiber die Aussichten des künftigen Berufes vor: Warum will ich eigentlich einen Beruf ergreifen? Weil ich ohne Arbeil nicht existieren kann. Weil ich meine Eltern später einmal, wenn sie keine Arbeit mehr haben, unterstützen muß und dann, weil mir die K lern pnerei Spaß macht und ich mich dafür interessiere. Früher war mein Wunsch immer: „Autoschlosser." Warum??? Weil ich immer Auto fahren kann, dachte ich mir früher . . . Autoschlosser ist ganz überfüllt und Elektrotechnücer auch. Aber wie ist es denn mit Klempner? . . . Der Klempner hat immer schon sein Brot reichlich verdient. Ich möchte gern mal sehen, ob ein 60jähriger Mensch, der ein Haus besitzt und wo auf dem Dach etwas kaputt ist, aufs Dach geht und es sich selbst repariert. Klempner wird auch sehr in Palästina gesucht. Zu Hause überlege ich mir, ob der Beruf mir auch zusagt. Endlich willigte ich ein. Ich freute mich sehr. 469