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Der Morgen · 1934-02-01 · Heft 8 (Februar 1934) · p. 464

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 8 (Februar 1934)
Article
Legende von den Juden
Date
1934-02-01
Page
464 (sequence 9)
Language
German
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Max Samter: Legende von den Juden fielen über die weiße Sonne, so wie er schon immer das gleiche erlebt hatte, wenn er von drüben, von Frankreich kam, und der Rhein und ein Streifen Pappeln und ein grünes Feld die Seine und all ihre Herrlichkeiten verdunkelte. Plötzlich brach alles zusammen, was der Verstand einsah, und es gab nur das eine Land, das man zu lieben bestimmt war, ohne den Grund dafür zu wissen. Zu Haus, bei den Eltern, konnte man von diesen Dingen nicht sprechen. Beide waren blind vor Schmerz. Sie klammerten sich an kleine Dinge, es war qualvoll dabeizustehen. Sie sahen das Wesentliche nicht mehr. Der Junge erinnerte sich an eine schreckliche Szene. Er war nach Hause gekommen, und auf der Treppe fiel ihm ein — denn wohin anders als zu diesen Dingen gingen jetzt seine Gedanken —, daß eine Blume oder ein Tier, das man aus mildem Klima in eine rauhe winddurchwehte Gegend bringt, sich wohl auch dort verwurzeln läßt, daß aber Blume und Tier die gleichen bleiben und nur, was unter Welter und Sturm sich ändert, dem Kundigen anzeigt: hier bist du gewachsen. Und auch dies Bezeichnende vollzieht sich langsam, in vielen Generationen. Dieses Beispiel hatte ihm gefallen, es schien ihm gut um zu beweisen, daß auch Menschen verschiedener Rasse im gleichen Boden zu wurzeln vermochten. Er kam an den Tisch, entschuldigte sich für sein Zuspätkommen, konnte sich aber schon nicht mehr zurückhalten. Und unvermittelt, wie alle diese erregenden Gespräche jener Tage begannen, sagte er: „Wenn man annehmen würde, alle Menschen jüdischer Rasse seien Blumen, so....." Bevor er jedoch diesen Satz zuende sprechen konnte, schlug der Vater auf den Tisch, daß die Gläser klirrten und brüllte: „Ich will nichts von jüdischer Rasse hören, eine jüdische Rasse gibt es nicht!" Damit war die Unterhaltung beendet, und jede andere spielte sich in gleicher Weise ab. Merkwürdigerweise war die Ursache alles Zorns und allen Aufbegehrens immer dieselbe: die Zwiespältigkeit der Stellung zu dem, was geschah. Der Junge hatte die bessere Haltung, das war, aus vielen Gründen, kein Wunder. Noch freilich war die Zeit, in der sie sich bewährte, zu kurz, um ein sicheres Urteil zu erlauben. (Schluß folgt.) Das MärX-Heft bringt u.a. 10 Jahr. „Morgan": Rückblick - Kritik - Pläna I Arno Horiberg. Dar Jud« at« politiichar Manieh | Em»* G. Leventhal, WiftiehotH»dV.cx»al und Labanswill. I JcW Kastain. Gah.imnis vo 11« Walt (Schlufj) Im Januar«Heft ar»eh:an«n: Gadankworta <ür Jakob W«Mrm.nn und Carl Melchior Aufcöti. Ober den „Jüdischen Sinn das deutschen Judentums", d«n „Schmelxtiegel Palästina"; die Reportage .Vom rCurturttendamm nad> En Charod" u. a. m. 464

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