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Der Morgen · 1934-02-01 · Heft 8 (Februar 1934) · p. 452

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 8 (Februar 1934)
Article
Kämpfe Mosis
Date
1934-02-01
Page
452 (sequence 2)
Language
German
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Siegfried Ucko Grunde nicht den Weg zu ihnen. Seine biblische Biographie ist ein Mutspender für alle Menschen, die im kleinen oder großen Kreise Führer sind: immer sieht es so aus, als schritte das Volk wirklich hinter dem Lehrer in ernsthafter Gefolgschaft, in Wahrheit zerrt er — keuchend — sie hinter sich her, mit Recht jeden Tag auf den Abfall rechnend. Weil er so den Abfall und die Abtrünnigkeit ständig erträgt und lebt und ohne Bitternis stirbt, ist er Lehrer aller Lehrer. Einmal aber läßt der Darsteller den Mann Mosche so vor uns stehen, daß sein Kampf zu einem Kampf des Menschen um seinen Sinn in der Welt, um sein Tun, Lassen und Denken wird. Wieder einmal hat das Volk den unsichtbaren Gott nicht mehr glauben können, und weil die Geführten ihn nicht mehr glauben können, kann der Führer ihn fast nicht mehr ertragen. (Denn was ist ihm ein Gott, der im Führen der Menschen sich nicht bewahrheitete?) Das Volk hat sich das goldene Kalb gebaut. Was immer zu befürchten stand, ist hier zum Ereignis geworden, was in der Schwebe des Gedankens und der Besorgnis hing, wird hier zum Schlag in das Gesicht des Lehrers. Der Mensen Mosche aber zermalmt das Kalb, das sie sich gebaut, und straft die Menschen. Die steinernen Tafeln, die Inschrift seines Lebens, hat er im Jähzorn zerschmettert. Nun ist er wieder ganz unten! Nur seine Fragen gehen empor und stellen sich in einem Dialog von weltgeschichtlichem Ausmaß dar. Man höre das mit: die Fragen tasten sich vorwärts, suchen wie Halme, die sich über einen schmalen, tiefen Abgrund neigen, das Jenseitige zu berühren. Wie ist Gott? Das will noch mehr fragen als: „was'*' ist Gott? Der Unsichtbare soll sichtbar werden, denn ohne Helfer, der mitgeht, ist es nicht mehr zu ertragen. „Wenn ich Gunst gefunden habe, tu mir deine Wege kund.4' Und langsam auch — wie von der anderen Seite tastend — kommt nun die Verheißung der Gottesgewißheit. Doch kaum hat die Stimme der Gottheit die Wegweisung verheißen, da flammt es bis zur größten Frage empor: die Herrlichkeit Gottes selbst will er sehen! Die größte Frage, die zu stellen ist, hier ist sie gestellt und harrt auf Antwort. Es kann nicht wunder nehmen, daß die Antwort, die der Bibelleser gespannt erwartet, ein Brennpunkt der jüdischen Theologie geworden ist. Bevor unser Blick auf die theologische Deutung gerichtet werden soll, erscheint ein Formproblem dieser religiösen Quelle der Beachtung wert. Zwischen dem Bitten und Drängen um Offenbarung und der Offenbarung selbst ist eine Beschreibung eingeschaltet, die gleichsam die mythische Kulisse der ganzen Darstellung gibt. Im mythischen Dunkel nur kann Mosche die Erfahrung Gottes zuteil werden. Darum muß er in einer Felsspalte stehen, da die Herrlichkeit Gottes vorüberzieht. Die ge- 452

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