Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1934-02-01 · Heft 8 (Februar 1934) · p. 443

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 8 (Februar 1934)
Article
Zur Frage des "jüdischen Volkes"
Date
1934-02-01
Page
443 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2895450-2895515-2895524-2903566--06829-2903607
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Josef Kastein: Geheimnisvolle Welt. . Aus einem noch niefit vollendeten Werk, das den Titel „Der Mythos vom Juden" tragen wird, stellt uns der Verfasser das im folgenden mit einigen Kürzungen abgedruckte Kapitel freundlidi zur Verfügung^ Bis zur Zerstörung des zweiten Tempels war Palästina für den Juden nicht nur das Heilige Land, sondern auch das Zentrum der Welt. Der Prophet Jeschajahu hatte ihnen gesagt — und es war unumstößliche Wahrheit —, daß in der Späte der Tage alle Völker nach Zion hinaufziehen würden, um dort den einen Gott anzuerkennen. Dieses Weltbild, das vom Geiste her sein Zentrum bekam, ist dem gläubigen Juden nie verloren gegangen. Aber neben dieses geistige Weltbild tritt mit immer größerem Anspruch ein reales Raumbild. Flüchtlinge, verschleppte Sklaven, deportierte Gefangene und Wandernde auf der Suche nach Existenzraum tragen in immer weiter ausschwingenden Wellen den Juden über die Länder der Welt. Die Gesamtheit dieser neuen, dieser anderen, dieser fremden Länder wirt Galuth genannt. Heimat ist immer nur das Heilige Land. Mag die neue Erde jeden Genuß des Daseins bieten: es bleiben als gewichtige Ein- (Schluß von Seile 442 j und Könige, der Makkabäerdynastie, Bar Kochbas oder Sabbatai Zewis. Das Wesentliche ist, daß alle politischen Bewegungen des Judentums, gleich wie man sie bewertet und wie erforderlich sie auch in gewissen Epochen der Geschichte für den Bestand der jüdischen Volksgemeinschaft gewesen sein mögen, sich als vergänglich erwiesen haben, während sich auf die Dauer das Religiöse in seiner gerade dem Judentum eigentümlichen Bindung aller Kräfte als der feste Halt erwies, der es über alle Zeiten hinweg trug. In einer Zeit, in der man aus den Umweltverhältnissen heraus die Erweiterung der politischen und kulturellen Funktionen des Judentums für seine Erhaltung als notwendig betrachten kann, darf diese soziale Bedeutung der Religion für die Erhaltung des Judentums weniger denn je vergessen werden. 443

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.