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Der Morgen · 1934-01-01 · Heft 7 (Januar 1934) · p. 435

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 7 (Januar 1934)
Article
Jüdische Religion und Emanzipation [Rezension]
Date
1934-01-01
Page
435 (sequence 3)
Language
German
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wenn sich ihre Quellen und ihre Äußerungen einer genauen Feststellung entziehen." Man soll einem solchen Buche, das bei allerWisscnschaftüchkeit ein persönliches Bekenntnis ist, nicht kritisch gegenübertreten, wenn man diese oder jene Einzelheit anders sieht oder wertet. Wenn man nun aber aus der historischen Darstellung die Folgerung für die Gegenwart zieht, daß bei einem neuen Emanzipationskampf das Volk als Trüger der jüdischen Idee nicht so außer acht gelassen werden darf, wie es manche der Früheren für berechtigt hielten, tritt sofort wieder die Frage nach der Begriffsbestimmung des „Volkes" auf: geht sie der üblichen parallel oder ist sie anders geartet und ohne Analogie? Aber mitnehmen wird jeder aus dem Buche jenes Undefinierbare und doch so Elementare, das Wiener „Judentum als Stimmung" nennt, und man wird daraus den Willen schöpfen, in einer neuen Gestaltung den Totalitätsanspruch des Judentums im Grundsatz zu bejahen. Wie man ihn außerhalb Palästinas verwirklicht, wenn man die Verbindung mit der allgemeinen Kultur und der Kultur des jeweiligen Heimatlandes erhalten will, darum eben wird auch das neue Ringen gehen. Ich sage: Ringen; ein fertiges Rezept gibt es nicht, und gäbe es ein solches, das wäre dann die Abstraktion vom Leben — oder das Ghetto. Max Oienemann. Joachim Prinz: „Wir Juden. Besinnung, Ruckblick, Zukunft*' (Erich Reiß, Berlin 1934.) Man soll nicht versuchen, diesem Buche gegenüber gerecht zu sein: denn es ist ein höchst ungerechtes Buch. Und wer darüber schreiben wollte mit dem Ansprach auf Gerechtigkeit, der würde nicht fertig werden mit der Aufzählung alles dessen, was in ihm unvollkommen, einseitig, unrichtig ist. Joachim Prinz überschaut die Judenlage, stellt die Judenfrage und gibt seine Antwort. Er tut das nicht im Namen der Wissenschaft und nicht im Namen der Theologie; beide müßten ihn als ihren Wortführer mit unerbittlicher Strenge abtun. Aber er tut es mit einer Legitimation, die vielleicht höher ist als ein Recht, das sich von ihncir herleitete: er spricht im Namen der Liebe. Joachim Prinz liebt das Judentum und die jüdischen Menschen, er liebt die jüdischen Vorzüge und die jüdischen Fehler, er liebt das jüdische Leben mit allem seinem Widersinn, mit seinen leuchtenden Gipfeln und seinen dunklen Abgründen. Und weil er die Sprache der Liebe spricht, erhebt er sich oft zu dichterischem Schwung, berauscht er den Leser mit dem er nicht überzeugt. Denn da er ein Liebender ist, hat er seine eigene Wahrheit. Es ist gewiß nicht die Wahrheit der objektiven Tatsachen. Seine Darstellung der Emanzipationszeit schlägt sogar der vorbehaltslosen Erkenntnis vielerorts ins Gesicht. Mit einer ungeheuerlichen Einseitigkeit spürt Prinz die Risse und Brüche dieser Epoche auf, ohne ihr den Platz zuzuweisen, der ihr im Gesamtbau der jüdischen Geschichte zukommt. Er selbst, nur denkbar als Produkt deutschjüdischer Kultursynthese, sein Zionismus, nicht anders verständlich denn als jüdische Frucht des europäischen 19. Jahrhunderts, verneinen so ihr eigenes Sein in ihrem Ge- 435

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