Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 7 (Januar 1934)
- Article
- Vom Hohenpriesterstamm
- Date
- 1934-01-01
- Page
- 406 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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I^ro Starnberg: Vom Ilohenpriatcrslarnm deren Seite langte aus den Wolken herunter mit krampfhaft gekrümmten Fingern eine andere Hand nach einer Stadt auf der Erde und konnte sie trotz verzweifelter Anstrengung nicht greifen. Dies sollte seine Arbeit bedeuten. Am anderen Tage fand man ihn erschossen unter einem Weidenstrauch. Z^/ieser Tod, den ich aus meiner eigenen Natur heraus nur allzusehr begriff, riß die kaum vernarbten Wunden meiner Vergangenheit wieder blutend auf. Wie eine wohltuende Buße ließ ich die Anklagen der Öffentlichkeit schweigend über mich ergehen. Daß ich in jenem Menschenleben eine neue Heimuthoffnung und den ersehnten künftigen Vollender meines eigenen Lebenswerkes verloren hatte, davon mußte ich schweigen. Was hatte ich für ein Recht auf den fremden Jüngling? Ich durfte nur trauern um den Verlust, den seine Mutter erlitten, um den Verlust der Welt. Das Schwerste aber war: widerlegte die Pistole, die vor mir lag, nicht die Kraft meiner Lehre? War es nicht Weisheit von meinem Vater, als er die ersten Anfänge meines Schaftens den Flammen übergab? Betlügelte oder raubte die Aufpflanzung höchster idealer Forderungen dem Menschengeschlechte den Mut? Sollten wir den Prometheusfunken verwünschen, weil er uns Städte und Länder eingeäschert? Ich litt den Kampf des Mannes, der diese tödliche Waffe erfunden und, obwohl er das Blut aller Schlachtfelder im voraus über sich kommen sah, es nicht vermochte, sie uns vorzuenthalten. Nein, ich durfte meine Schriften nicht verbrennen! Aber ich durfte auch keine Apostel meiner Lehre mehr hinaussenden. Wenn es Menschen gab, die ein Ende, und Menschen, die ein Anfang sind, so mußte ich warten, bis sie zu mir kamen, in der ruhevollen Zuversicht, daß sich alles mit dem verborgenen stetigen Walten der Natur seiner Zeit erfüllen werde, falls ihm Leben und Wahrheit innewohne. Das verwandte Blut würde sich erraten . . . Ich sehnte mich nach einem Kinde, dem mein Lebensinhalt organisch zuströme . . . Ii ier brach das Tagebuch ab. Ein aus der Schlachtenhölle gerettetes Stück Menschenherz. Der Fundort war die vorgeschobene Stellung einer fliegenden Truppe, zu der man nur Freiwillige verwendete . . . Frieden! Frieden! Frieden! 406