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Der Morgen · 1934-01-01 · Heft 7 (Januar 1934) · p. 399

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 7 (Januar 1934)
Article
Carl Melchior
Date
1934-01-01
Page
399 (sequence 2)
Language
German
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Carl Melchior Posten als Syndikus an. Für das Hamburg von 1902 war das keine kleine Sensation, denn die strenge Exklusivität der Warburgs hatte bisher einen solchen Posten nicht zugelassen. Noch einmal durchbricht Carl Melchior die Familientradition: als ihm 1917 der Leiter der Firma, der nur wenige Jahre ältere und ihm in langer Freundschaft verbundene Max Warburg als erstem Nichtmitglied der Familie die Teilhaberschaft anbot, die Melchior anderen verlockenden Angeboten selbstverständlich vorzog. Schon damals war aber Carl Melchior nicht nur ein Bankjurist geworden, der die großen internationalen Geschäfte seiner Firma besorgte, sondern ein Kaufmann, dessen Rat man weit über die Fachkreise hinaus mit Aufmerksamkeit aufnahm. Im Krieg, den er als Oberleutnant der bayerischen Fußartillerie mitmachte, bringt ihn ein Unglücksfall an der Front in schwere Lebensgefahr. Die Genesungszeit verbringt er in der Zentral- Einkaufs-Gesellschaft, die Rohstoffe und Lebensmittel aus dem Ausland beschafft. Der kluge Unterhändler, der die Verhältnisse des Auslandes kennt, wird bald Leiter der Organisation und schließt drei Abkommen mit Rumänien, wodurch die Getreideversorgung der Mittelmächte zunächst sichergestellt wird. Nach dem Kriegseintritt Rumäniens geht er als Hauptmann und Batterieführer wieder an die Front. Im Auswärtigen Amt war man auf die Kenntnisse Melchiors aufmerksam geworden und schickte ihn 19IS mit der Delegation des Grafen Mirbach nach Sowjetrußland und später mit dem Botschafter Mumm nach Kiew. Seit dem November 1918 ist Dr. Melchior der ständige Finanzberater der deutschen Delegationen. Als Vorsitzender des Finanzausschusses der Waffenstillstandskommission führt er in Spa, Trier und Brüssel die Verhandlungen über die schweren Bedingungen der Alliierten. Als einer der sechs Hauptdelegierten geht er nach Versailles zu dem Diktat des Friedensvertrags. Umsonst versucht er hier und in den nächsten zwei Jahren das Thema vom politischen auf den wirtschaftlichen Boden zurückzuführen. Er lehnt, wie die anderen Mitglieder der Delegation, den Versailler Vertrag ab. In der Gesellschaft Hamburger Juristen zeigt er im Juli 1919, wie der Weg weiter gehen muß, der Deutschland von den Fesseln des Diktats befreien kann. „Ein verstümmeltes und seiner wichtigsten äußeren Erwerbsquellen beraubtes Deutschland soll Lasten tragen, die das gesamte Vermögen des früheren territorial und wirtschaftlich ungeschwächten Deutschland bei weitem überstiegen hätten." Er deckt die zwei widerstreitenden Tendenzen des Vertrags auf, die sich gegenseitig ausschließen, den Willen Englands, das den deutschen Wettbewerb zerstören möchte, und den französischen Wunsch, die deutsche Volkskraft so zu schwächen, daß sie sich dem Bevölkerungszustand Frankreichs nähert Der Auslands- 399

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