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Der Morgen · 1934-01-01 · Heft 7 (Januar 1934) · p. 398

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 7 (Januar 1934)
Article
Carl Melchior
Date
1934-01-01
Page
398 (sequence 1)
Language
German
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Carl Melchior Kaufmann und Staatsmann Der ernste, ruhige, aber mit zarter Gesundheit versehene Mann hat die Strapazen und Aufregungen der letzten elf Monate schwerer ertragen als die große Verantwortung, die er als der Wirtschaftsberater aller deutschen Delegationen von Versailles bis Lausanne auf sich genommen hatte. Schon seit einigen Jahren war er nicht mehr ganz der alte, frische Hamburger, und auch ein längerer Sanatoriumsaufenthalt im letzten Sommer konnte ihn nicht ganz wieder herstellen. Zwei Tage vor Jahresschluß hat ihn ein Schlaganfall im Gefolge einer winterlichen Erkältung im Alter von erst 62 Jahren weggerafft — ein tragischer Zufall wollte es, daß am selben Tag auch der Senior der Firma M. M. Warburg & Co., Aby S. Warburg, nach längerem Kranksein verschieden ist. Carl Melchiors Tod trifft die deutschen Juden in besonderer Schwere. Hatte er sich doch nach den Ereignissen des Frühjahrs 1933 sofort in die erste Reihe derer gestellt, die den Aufbau des Hilfswerks für die durch Boykott und Ausschluß vom Beruf Getroffenen leiteten. Sein Rat für die Organisation im Inland und vor allem seine weitreichenden internationalen Beziehungen sind damals von größter Wichtigkeit gewesen, und man durfte hoffen, daß seine Zugehörigkeit zum Zcntralausschuß für Hilfe und Aufbau sich zu der leitenden Stelle des gesamten Hilfswerks entwickeln würde. Da machte ihm die Krankheit die Mitarbeit immer schwerer. Noch von Bühlcrhöhle aus hat er aber, wo es notwendig war, seine Hilfe zur Verfügung gestellt und manchem im In- und Ausland auf den richtigen Weg geholfen. Carl Melchior stammte von Vater und von Mutter her aus alten Hamburger jüdischen Familien mit langer kaufmännischer Tradition. Familicnbeziehungen führten nach Dänemark und nach England. In der Atmosphäre des „ehrbaren Kaufmanns" ist der junge Carl Melchior aufgewachsen, der in Bonn, Berlin und Jena Jura studierte und schließlich in Hamburg die Richterlaufbahn einschlug. Mitglieder der Familie Warburg lernten den jungen Grundbuchrichter kennen, der auch schriftstellerisch auf diesem Spezialgebiet hervorgetreten war, und boten ihm, als die amerikanischen Geschäfte der Firma nach der Uebersiedlung Paul Warburgs nach New York und seinem Eintritt in die feudale Firma Kuhn Loeb & Co. immer weiter wuchsen, einen 398

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