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Der Morgen · 1934-01-01 · Heft 7 (Januar 1934) · p. 396

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 7 (Januar 1934)
Article
Jakob Wassermann
Date
1934-01-01
Page
396 (sequence 3)
Language
German
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Paul Wieglcr oder der Erfolg? Gott allein weiß es." Aber begnadend lächeln in Wassermanns Romanen jüdische Frauen und Mädchen: im „Christian Wahnschaffe" Johanna Schöntag und Ruth Hofmann. Und wenn er in seinem melancholischen Moralismus Schwächen und Makel auch bei denen sah, die gleichen Blutes waren wie er, sind doch Nichtjuden Gudstikker, der „Literat" und Halbbruder Agaihons, Ärrhidäos im „Alexander", Amadeus Voss, der Gegenspieler der Eva Sorel. Jakob Wassermann hatte 1921 die innere Einheit sich nach vielen Kämpfen errungen, damals als er niederschrieb: „Es hat dieses Gerede über ,die4 Juden, ,die* Deutschen keinen Sinn und Zweck. Ich kenne nur Menschen. Ich weiß nur von einzelnen Menschen. Für mich hat Gültigkeit nur die Gestalt; die Kategorie ist nicht meine Sache." Er hat seine Liebe schöpferisch bezeugt, über den „Caspar Hauser" hat er behaupten können: „Deutsch die Stadt, deutsch der Weg, deutsch die Nacht, deutsch der Baum, deutsch die Luft und das Wort." Und über das „Gänsemännchen", es sei bürgerliches Deutschland um 1900, „doch nicht in der Schilderung, sondern in der Zusammenfassung, wobei das Entscheidende in die Gestalt und ihre seelische Wandlung verlegt wird". Dissonanzen haben die persönliche Einheit auch für ihn gebrochen. Wieder sind Tiefen aufgewühlt, die er nur in Träumen noch geschaut hatte. Die opfernde Liebe, die er bekundet hat, stirbt nicht mit ihm dahin. Das Presse-Echo i Die deutsche Presse nimmt zu Jakob Wassermanns Tode eine zwiespältige Stellung ein. Von den Berliner Blattern beschranken sich „Loknlanzeiger", ,,Nachtausgabe" und „Tay" auf die bloCc Wiedergabe der Todesnachricht. Die „Vossischc Zeitung" widmet ihrem langjährigen Mitarbeiter nur ein kühles Gedenken: Er setzte die große Tradition des europäisiert (iesellsdiaftsromanes fort . . . die stofflidie Sensation nidit versdimähend. fand er eine Zwisdtenform. die sidi freilidi häufig genug als Zivitierform erwies . . . Leidensdiaftlidier Formwille und konstruktive Gestaltungskraft trugen ihn häufig genug über den Mangel an editer lirfindungsgahe hinweg . . . Dauern wird das Bild einer Persönlidtkeit. die immer wieder die Grenzen ihrer künstlerisdien Begründung zu sprengen . . . und sidi Leistungen abzuringen versudite, die zu ihrer Satur beinahe in Widersprudi standen. Die .Kreuzzeitung*, das Blatt des Stahlhelm, fügt der Meldung und der Aufzahlung von Wassermanns wichtigsten Werken den einen Satz an: Als Jude hat er sidi in den Gedankengängen seiner Zeit audi viel mit dem Judentum auseinandergesetzt, so audi in der psydioanalytisdien Selbstbctraditung .Mein Weg als Deutsdier und Jude". Ursprünglichkeit und schöpferische Begabung spricht ihm in einer kurzen Glosse die „Deutsehe Zeitung" ab: Aus brennendem Ehrgeiz wurde er einer der produktivsten jüdisdien Romansdiriftsteller. Der Zwiespalt seiner Rasse, der sidi fühlbar auf seine Romane übertrug, gab ihm immer neuen Antrieb zu umfangreidien literarisdien Sdiöpfungen.. Trotz stilistisdier Gewandtheit und h'arbig'keit. trotz sorgfältiger undgesdiliffenerTedtnik konnte er nicdietlerkunftseinerzahlreidienSdiriftwerke aus dem konstruierenden Intellekt, aus der kalten und beredinenden Ueberlegung verbergen. .Die Berliner Börsen-Zeitung* faßt ihr kurzes Urteil ungefähr in folgenden Sätzen zusammen: Mit der deutsdien Literatur hatte er so gut wie 396

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