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Der Morgen · 1934-01-01 · Heft 7 (Januar 1934) · p. 390

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 7 (Januar 1934)
Article
Restauration oder Renaissance?
Date
1934-01-01
Page
390 (sequence 2)
Language
German
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Restauration oder Renaissance? sein ganzes Streben darauf, die eigene Umsatzkurve möglichst normal zu halten; die deutsche Judenfrage drückt sich in dem Prozentsatz der Abweichung aus. Die Verbundenheit mit dem Schicksal der Minderglücklichen findet sich unter Konto „Wohltätigkeit". Man gibt mehr und leichter als früher. Man macht auch für allgemeine Spenden größere Summen frei. Aber sonst ist von der Gleichschaltung, die man äußerlich soweit als gesetzlich zulässig mitgemacht hat, wenig zu spüren. Vom Geist der Zeit, von den Forderungen der Zeit findet man keinen Hauch. Man übersieht, daß es gegen die Zeit denken heißt, wenn man glaubt, sein persönliches Schicksal vom Schicksal des deutschen Judentums getrennt halten zu können und als Teil einen Wert darzustellen, wenn der Wert des Ganzen nicht anerkannt ist. Man empfindet die unbefriedigende Situation und schafft sich für sie einen ideologischen Bau, in dem alles ehrlich gemeint ist und gut zusammenpaßt — aber eben nur für den einzelnen Fall und schon zum nächsten hin nicht ohne Lücken. Es ist wichtig, daß jüdische Menschen in Deutschland in bestimmten Betätigungen verbleiben, wichtig auch unter dem Gesichtspunkt, daß Juden Arbeitsplätze zur Verfügung stehen und daß Geld für jüdische Zwecke vorhanden ist. Aber wer nur so denkt, übersieht, daß er damit lediglich Träger von Funktionen ist und nur deshalb, nicht seines Persönlichkeits-, geschweige denn seines Gemeinschaftswertes wegen, mitzuarbeiten und mitzureden hat. Man nennt die Beibehaltung zufällig noch zulässiger Formen inmitten einer sonst grundlegend geänderten Welt gern Erneuerung und verkennt, daß aus alten Unvollkommenheiten und neuem Zufall persönlicher Wirtschaftssicherung keine Lebensbasis mit Zukunftswert entsteht. Es gab einmal Epochen, in denen Reichtum und Glanz der geöffneten Welt auf einigen jüdischen Kaufleuten lag, während die Masse in ärmlicher Isoliertheit lebte. Hofjuden und Hoffaktoren waren, rückblickend betrachtet, wertvolle Schrittmacher für den Aufstieg des Judentums zur Emanzipation. Wer heute seine Wirksamkeit historisch so begründen und rechtfertigen wollte, übersieht, daß er nach der Zeitlage nicht Vorkämpfer, sondern Epigone einer Emanzipation ist. Ganz nah unserer Gegenwart lebt die schmerzliche Erfahrung, daß wir nicht nach den in durchschnittlicher Lebensform Arbeitenden, und noch weniger nach den Hervorragenden als nach den sich zur Schau 390

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