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Der Morgen · 1933-12-01 · Heft 6 (Dezember 1933) · p. 385

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 6 (Dezember 1933)
Article
Von jüdischen Bünden
Date
1933-12-01
Page
385 (sequence 1)
Language
German
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Von jüdischen Bänden Zwar ist ein abschließendes Bild jüdischer Bünde aus ihren Zeitschriften allein nicht zu gewinnen, denn Blätter von Jugendbünden pflegen in erster Reihe der inneren Klärung zu dienen. Aber die Atmosphäre, die aus solchen ungezwungenen Meinungsäußerungen herausströmt, ist oft anschaulicher für den geistigen Standort des betreffenden Bundes als langatmige „programmatische" Ausführungen. Die Wandlungen der politischen Struktur Deutschlands und die damit verbundenen Probleme und Aufgaben der deutschen Juden wirken sich naturgemäß in den Auseinandersetzungen aller Richtungen auf das deutlichste aus. Allenthalben ist starke innere Bereitschaft zu voraussctzungsloser Auseinandersetzung und innere Aufgeschlossenheit zu spüren. Bezeichnend für die Wandlungen der jüdischen Jugendbewegung während der letzten Jahre ist ferner, daß der Wirkungskreis der Bünde sich auf alle Lebensbezirke ihrer Glieder erstreckt. Dies gilt insbesondere für die Frage der Berufsgestaltung. Hatte man sich früher häufig damit begnügt, in dieser Frage ein bestimmtes Ethos anzuerziehen, im übrigen aber die Bcrufsgestaltung dem Einzelnen überlassen, so sucht man heute, unter dem Eindruck der neuentstandenen Situation, nach Ansatzpunkten zu kollektiven Lösungen dieses Problems. Damit werden die letzten Entscheidungen des Einzelnen in das Leben der Gemeinschaft, die dadurch eine „totale" wird, einbezogen. Die Fragen, die sich hieraus ergeben, klingen besonders deutlich aus den Bundesblättern der „Werkleute" heraus. Nachdem man sich hier grundsätzlich für gemeinsame Siedlung in Palästina entschieden hat, steigt die Gefahr eines veräußerlichten Kollektivismus auf, der keine Überwindung des Individualismus darstellen kann. Aber nicht nur, um dieser Gefahr zu begegnen, wird die Schaffung einer selbständigen Bundessicdlung gefordert. Vielmehr will der Bund vor allem eine ganz bestimmte Auffassung von jüdischem Sein zur Entfaltung bringen, die, über das Politische, Wirtschaftliche und Soziologische hinausgehend, die jüdische Geschichte und damit auch die jüdischen Zukunftsaufgaben in erster Linie unter metaphysischen und geistigen Aspekten sieht. Bei aller Entschiedenheit für Palästina wendet sich der Bund, getreu seinem deutsch-jüdischen Ausgangspunkt, gegen jede parteiprogrammatische Vereinfachung der jüdischen Fragestellung. „Jener Palästinozcntrismus, der sich in der Betonung der Unfruchtbarkeit der Galuth nicht genug tun kann, ist nur von den Notwendigkeiten zionistischer Propaganda her zu »erstehen, real gesehen ist er leichtfertig. Man kann ja die notwendige Gegebenheit der Galuth nicht aus der Welt schaffen" (Juni 1933). Über die praktischen Erfahrungen und Fragen des Siedlungslebens in Palästina unterrichten die Informationsblätter des Chaluz. In Nr. 53 54 dieser Blätter werden z.B. die physischen und psychischen Schwierigkeiten der Umschichtung in manuelle Berufe erörtert. Probleme der jüdischen Bundeserziehung, der Hachscharah-Arbcit 385

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