Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 6 (Dezember 1933)
- Article
- Der "Blau-Weiß"
- Date
- 1933-12-01
- Page
- 353 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Georg Lubinski: Aufbruch der Jugend ernste, eigene Schlußfolgerung aus der von Soziologen schon lange festgestellten einseitigen Berufsschichtung der jüdischen Gemeinschaft in den Ländern der Zerstreuung zog. Die vom Blau- Weiß geprägte "Wirklichkeit westjüdischer Berufsumschichtung als Gruppentat ist seitdem nicht wieder verloren gegangen. Auch die einzelnen Menschen sind nach Auflösung des Bundes größerenteils der jüdischen Aufgabe erhalten geblieben, die Jüngeren unter ihnen durch Weiterarbeit in den nachwachsenden Jugendbünden, die Älteren im Rahmen ihrer Berufsbetätigung und, vielfach freundschaftlich verbunden, durch jüdische sozial- und wirtschaftspolitische Arbeit. — So betrachtet war das äußere Scheitern ein Fingerzeig nach innen, auf eine Entwicklungsstufe, die, wer sich für Palästina entscheidet, nicht überspringen darf: die Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland. Georg Lubinski: Aufbruch der Jugend Zur Soziologie der jüdischen Jugendbewegung In Deutschland Die jüdische Jugendbewegung kann ihren Ursprung bis in die Zeit vor dem Kriege zurückverfolgen. Ihre Entstehung ist das Ergebnis einer ersten Scheidung der jüdischen Jugend von der sie umgebenden nichtjüdischen Gesellschaft. Es ist gerade in jetziger Zeit sehr wesentlich, auf diese Tatsache hinzuweisen. Es -besteht nämlich kein Zweifel darüber, daß die Bildung der ersten Gruppen der jüdischen Jugendbewegung darauf zurückzuführen ist, daß Gruppen der deutschen Jugendbewegung schon damals Juden ausschlössen oder sich gegen die Aufnahme von Juden wehrten. Diese Erscheinung hatte mit der Judenfeindlichkeit des Bürgertums nichts zu tun. Sie gab dem Empfinden Ausdruck, daß so intensive Gemeinschaften, wie sie insbesondere am Anfang die Gruppen der Jugendbewegung darstellten, möglichst homogen sein müßten und daß daher Differenzierungen, 353