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Der Morgen · 1933-12-01 · Heft 6 (Dezember 1933) · p. 350

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 6 (Dezember 1933)
Article
Der "Blau-Weiß"
Date
1933-12-01
Page
350 (sequence 4)
Language
German
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Hanns Rcißner den Älteren der Parole der Landwirtschaft nicht folgen wollte, mußte den Bund verlassen. Nur wer körperlich ganz ungeeignet war, sollte etwa noch Philologie studieren dürfen, weil Lehrer ja schließlich auch gebraucht werden würden. Seitdem zerfiel der Blau-Weiß in zwei Teile, den aus Schülern im Entwicklungsalter zwischen 12—18 Jahren bestehenden, unter einer Bundesleitung straff organisierten eigentlichen Wände r b u n d, und darüber in eine Schar von teils freundschaftlich, teils gewerklich verbundenen in der Berufsausbildung begriffenen jungen Männern im Alter von 19—23 Jahren. Der Wanderbund führte weiter sein unbekümmertes, für alles Große und Schöne offenes Leben. Eine Jahresklasse jüdischer Schüler nach der anderen passierte hier, und man warb um die vitalen und begeisterungsfähigen. Die Einheit bildete der „Zug", der alle Altersstufen umfaßte. Die Zugführer wurden als Vorbilder menschlicher Haltung empfunden. Freiwilliger Einsatz von Klein und Groß schuf eine Atmosphäre des Zusammenlebens, wie es weder Familie noch Schule, kein Internat und keine Straßenjungenbanden zu bieten vermochten. Im Gemeinschaftsleben der Züge gewann der Eros der Pubertätszeit seinen gültigen Ausdruck. Feinste und wohlrespektierte Bande der persönlichen Zuneigung verschmolzen mit dem Treueverhältnis zum Führer und der ritterlichen Kameradschaftlichkeit innerhalb der Züge und des ganzen Bundes zu einer Daseinsform, die für die Zeit des Lebens festgefügt schien. Man führte eine Art Gemeinwesen im Unterwegs, fest entschlossen, sich in wenigen Jahren, wenn man etwas Rechtes gelernt hätte, in Palästina mit den Wandergefährten von heute wiederzutreffen und gemeinsam eine Siedlung zu errichten. Eine Namensliste der „Nadelträgerschaft" vom 30. Januar 1925 weist aus, daß volle 50 Prozent der damals in Berufsausbildung oder -betätigung befindlichen männlichen Mitglieder sich bereits manueller Betätigung zugewandt hatten. Gleichzeitig verbrachte eine Reihe älterer Wanderinnen aus den Mädchengruppen regelmäßig einige Zeit auf Bauern-, Ritter- und Siedlungsgütern, um die ländliche Haus-, Stall- und Gartenwirtschaft zu erlernen. Die Kriegsteilnehmer vollendeten in den Jahren 1920/21 ihre berufliche Ausbildung in Deutschland und schlössen daran sogleich die Übersiedlung nach Palästina. Zunächst verteilten sie sich im Lande und lernten von den mitteleuropäischen auf die mittelmeerischen landwirtschaftlichen Verhältnisse um. So kamen sie erstmalig mit der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina in Berührung. Auch diese Menschen, vielfach auf russischen Gymnasien und Universitäten groß geworden, suchten in Palästina die Verwirklichung ihres Ideals nationaler, kollektiver, auf eigener Arbeit und gegenseitiger Hilfe beruhender Gesellschaft. Bald sonderten sich unter den übersiedelten Blau-Weißen diejenigen 350

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