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Der Morgen · 1933-11-01 · Heft 5 (November 1933) · p. 333

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 5 (November 1933)
Article
Rückwanderung u. Berufsumschichtung in Osteuropa
Date
1933-11-01
Page
333 (sequence 2)
Language
German
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Personen entlasteten, unter einer drückenden Übervölkerung. Nach dem Bulletin des Internationalen Landwirtschafts-Institut 1933 Nr. 2 werden die arbeitslosen Landarbeiter einschließlich der Besitzer von Zwergbetrieben, von deren Ertrag sich der Besitzer nicht ernähren kann, auf 5—7,5 Millionen bei einer Gesamtbevölkerung von wenig über 30 Millionen Köpfen geschätzt. Obwohl durch größere Mannigfaltigkeit der Berufsgliederung die Zahl der Händler unter den Juden Osteuropas nicht so groß ist wie in Mittel- und Westeuropa, sind doch die Ervvcrbsmöglichkeitcn der jüdischen Kauflcute in Polen durch die Agrarkrise und den Verlust des russischen Hinterlandes nicht minder beschnitten als durch die Produktions¬ und Steuerpolitik der Regierung. Drückende Umsatz- und Gewerbesteuern muß die städtische Bevölkerung, d. h. vornehmlich die jüdische, zugunsten der andern Berufsstände aufbringen. Die Bauernschaft wird von Regierungs wegen genossenschaftlich organisiert, und dadurch werden Zwischenhandelsgliedcr, d. h. in erster Linie jüdische Existenzen, ausgeschaltet. In gleicher Richtung wirken die staatlichen Produktions¬ und Handelsmonopole für Sprit, Salz, Zucker, Tabak, Zündhölzer u.a.m. In Handwerk, Gewerbe und Industrie sind in Polen ein ganzes Drittel der erwerbstätigen jüdischen Bevölkerung tätig. Dieser Prozentsatz ist aber nur als reines Zahlenbild zufriedenstellend. Vor dem Krieg ließ die fachliche Durchbildung der jüdischen Handwerker mangels objektiver Prüfungsmaßstäbe mancherlei zu wünschen übrig. Die polnische Gewerbeordnung von 1927 erst setzte Ausbildungsregeln fest. Im Einklang mit ihren Bestimmungen betreibt der „ORT" (Gesellschaft zur Verbreitung von Handwerk, Industrie und Landwirtschaft unter den Juden in Polen) 45 Fachschulen, Lehrwerkstätten und Berufsfortbildungsschulen, sowie eine technische Mittelschule (Ziffern von 1930). Zum Vergleich sei jedoch gesagt, daß allein der Magistrat Warschau in städtischer Regie 5 Handwerker- und 30 Fortbildungsschulen unterhält. Insgesamt haben in den Jahren 1922—1929 12000 Schüler die verschiedenen Anstalten des „ORT" besucht. Von ihnen erlernten u.a.: 34 v.H. Schlosserei, Schmiedehandwerk und Metallarbeit; 18 v. H. Mechanik und Elektromechanik; 15 v. H. das Baufach. In diesen Ziffern kommt zum Ausdruck, daß der „ORT" sein Augenmerk nicht nur auf die bessere Durchbildung seiner Schüler in den überkommenen jüdischen Gewerben — Textil- und Leder-Industrie —, sondern auch auf die Erschließung neuer Gewerbearten für die jüdische Arbeit richtet. In der Ziffer von knapp 10 v, H. jüdischer landwirtschaftlich Erwerbstätiger stecken zunächst zahlreiche Gutspächtcr in Galizien, ferner die von der russischen Regierung vor 100 Jahren im Wilna-Gebiet angesetzten Kolonisten, und schließlich eine Reihe Gärtnereibesitzer in der Nähe größerer Städte. Wirtschaftliche Aussichten haben von diesen verschiedenen Schichten, wenn überhaupt, erstreihig die Gartenbauer. Daßdie Pächter und Kolonisten ihre Betriebe nicht schon längst aufgegeben haben, liegt in der Mehrzahl der Fälle eigentlich nur 333

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