Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 5 (November 1933)
- Article
- Aus der Frühzeit der Emanzipation
- Date
- 1933-11-01
- Page
- 320 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2895450-2895515-2895521-2903288--06642-2903348- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Fritz Friedlacnder Unser Messias ist die fortschreitende Zeit, die immer mächtiger an den Fesseln alter Vorurtheile rüttelt; auch zu unserem Besten muß über kurz oder lang die Stimme der Wahrheit und des Rechts durchdringen. Die heißesten Wünsche aller bessern und edleren Juden begleiten Ihr Vorhaben; Muth und Ausdauer! dann ist der Erfolg nicht zweifelhaft. Gäbe Gott, daß bald das Ziel erreicht werde; möge es uns beiden beschieden sein den Sieg der Wahrheit noch mitzufeiern. Mit diesem Wunsche und in wahrer Hochachtung scheidet von Ihnen Ew. Ihr Glaubens- und Leidensgenosse Dr. J. Jacoby Einliegenden Zettel bitte der Buchhandlung Hammerich in Altona zukommen zu lassen. Haben Sie die Güte, Hrn. H. selbst darum anzugehen, daß er so bald als möglich 21 Exemplare Ihrer Zeitschrift hieher sende. Um auch das Meinige für Verbreitung und Fortbestehen eines so gemeinnützigen Unternehmens zu thun, habe ich nämlich bei der hiesigen Judengemeinde eine Aufforderung zur Subscription circuliren lassen. — Der Erfolg ist leider geringer als ich erwartet, wieder ein neuer Beleg der Indolenz vieler unserer Glaubensbrüder. Wi(chtig) wäre aber, noch vor der bürgerlichen und gesellschaftlichen Emanzipation eine geistige zu schaffen. Schreiten Sie beharrlichen Muthes auf der betretenen Bahn fort, und immer regere Theilnahme Ihrer zahlreichen Mitstreiter werden Sie sich erwerben. Gott beschütze Sie und verleihe Ihnen Kraft zum Werke!" Riesser hat erst Ende 1S37 auf den Brief geantwortet. Trotzdem riß inzwischen die sachliche Verbindung zwischen ihm und Jacoby nicht ab. Denn 1833 forderte Karl Streckfuß, ein hoher preußischer Beamter, dessen Name sich durch seine Dante-Übersetzung erhalten hat, in der Schrift „Über das Verhältnis der Juden zu den christlichen Staaten" die Aufhebung der preußischen Judenemanzipation, und gegen diese griffen beide sofort zur Feder. Jacoby wies in seiner Broschüre „Über das Verhältnis des königlich preußischen Oberregierungsrat Streckfuß zu der Emanzipation der Juden" auf Riessers vorbildlichen Kampf für die Emanzipation hin, und dieser widmete der Schrift Jacobys in seiner Zeitschrift (Bd. II, S. 116) eine ausführliche Besprechung. Riessers Antwortbrief galt einem Lieblingsplan, dem er in der Werbeschrift „Einige Worte über Lessings Denkmal; an die Juden Deutschlands gerichtet" Ausdruck gegeben hat; sie ist im 4. Band der Gesammelten Schriften Riessers wieder abgedruckt. Die in dem Brief erwähnte Verlagsfirma Veit & Co. wurde von 320