Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 5 (November 1933)
- Article
- Aus der Frühzeit der Emanzipation
- Date
- 1933-11-01
- Page
- 317 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Fritz Friedlaender: Aus der Frühzeit der Emanzipation Ein Briefwechsel zwischen Johann Jacoby und Gabriel Riesser Es war bisher nicht bekannt, daß zwischen den beiden großen Vorkämpfern der deutschen Judenemanzipation persönliche Beziehungen bestanden haben. Und doch ist ihre Kampfgenossenschaft, die später in eine persönliche Freundschaft mündete, bei aller Verschiedenheit der Charaktere nur natürlich, denn für beide bildete die Befreiung und bürgerliche Gleichstellung ihrer Glaubensgenossen, bildete Deutschlands Einigung im Zeichen bürgerlicher Freiheit den Angelpunkt alles Denkens und Wollens. > Beide sind durch persönliche Erlebnisse in die Politik gedrängt worden. Riesser konnte in seiner Vaterstadt Hamburg die Zulassung zum Anwaltsstand nicht erreichen und wurde statt dessen, als Sechsundzwanzigjähriger, zum „Anwalt der deutschen Juden" durch die 1831 erschienene Flugschrift „Über die Stellung der Bekenner des mosaischen Glaubens in Deutschland". Sein Rednertemperament führte ihn dann als Abgeordneten in die Frankfurter Paulskirche, und als Vizepräsident dieses Parlaments von 1S4S war er eine seiner bekanntesten Erscheinungen, auch äußerlich schon durch den Gegensatz des freundlichen Wuschelkopfes mit den kleinen scharfblickenden Augen. Johann Jacoby, fast gleichaltrig mit Riesser, — er war 1805 in Königsberg geboren — steht nach Gestalt und Charakter dem ostdeutschen Menschentyp näher: lang, hager mit großer scharfer Nase und blauen Augen, ein energischer, ja doktrinärer Kämpfer. Schon als Student der Medizin lehnte er sich gegen die Zurücksetzung auf, die er als Jude erfuhr und ist später durch den Mut, mit dem er den König von Preußen an das nicht eingelöste Versprechen erinnerte, dem Land eine Verfassung zu geben, zu einer der populärsten Erscheinungen der deutschen Freiheitsbewegung geworden. Den Anlaß zu einer Fühlungnahme beider Männer bot die Neubegründung einer Zeitschrift, die sofort zum Mittelpunkt des 317