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Der Morgen · 1933-11-01 · Heft 5 (November 1933) · p. 303

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 5 (November 1933)
Article
Stefan George
Date
1933-11-01
Page
303 (sequence 9)
Language
German
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Stefan George diese Gestalt ins Leben treten, der „deutsche Jude" einer neuen Zeit. Dem Juden aber, der deutsche Wesenheit nicht als formende Kraft in sich spürt, der schlechthin „Jude" sein will, öffnet sich der Raum der neuhebräischen Sprache. Wird in Palästina ein Dichterprophet aus glühender Liebe zu seinem wiedererstehenden Volk, aus dem Erlebnis der Sprache und Landschaft, aus der Anschauung all des Werdenden — einer herben tapferen Jugend, ihrer Lebensgemeinschaft, ihrer Arbeit — eine große Vision gestalten, mit der Gewalt des verzaubernden, verwandelnden Wortes das Bild des Juden der Zukunft in alle Seelen senken, wird sein Gedicht all den jüdischen Kräften, Keimen und Anlagen Nahrung geben, die ein Morgen versprechen? Ist er bisher nicht erschienen, so muß er eines Tages kommen, wenn anders die neue Sprache mehr ist als ein Esperanto, nämlich das Lautwerden einer gemeinsamen Seele, und wenn anders das Land Israel mehr ist als ein Obdach, nämlich die Heimat der Wiederverschmolzenen. Die Wiedergeburt des jüdischen Menschen in Palästina ist die helle Hoffnung der einen, die Gestaltwerdung des deutschen Juden ist der starke Glaube der anderen. Wir stehen nicht an, beides zugleich zu wünschen, wir hegen auch die Erwartung, daß Ost und West einander ergänzen und gegenseitig befruchten werden. Aber noch warten wir, hier wie dort, des Dichters, der die Heraufkunft des neuen Menschen schöpferisch erschauen wird. Wir werden aufhorchen, wenn seine zürnende, wenn seine gebietende Stimme ertönen, wenn sie das endlich erreichte Ziel uns weisen wird: Von welchen wundern lacht die morgen-erde Als wär ihr erster tag? Erstauntes singen Von neuerwachten weiten trägt der wind Verändert sieht der alten berge form Und wie im kindheit-garten schaukeln blüten . . Der ström besprengt die ufer und es schlang Sein zitternd silber allen staub der jähre Die Schöpfung schauert wie im stand der gnade. Kein ganger kommt des weges dessen haupt Nicht eine ungewußte hoheit schmücke. Ein breites licht ist übers land ergossen . . Heil allen die in seinen strahlen gehn! 303

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