Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 5 (November 1933)
- Article
- Draußen und Drinnen
- Date
- 1933-11-01
- Page
- 283 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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neuen Gemeinschafts- und Einzel-Daseinsformen mitzutragen haben, gestattet sein, auf Gefahrenpunkte hinzuweisen. Einer normalen Struktur im soziologischen Aufbau des deutschen Judentums galt seit langem die Arbeit besorgter und vorausschauender Köpfe des deutschen Judentums. Schon der Geburtenrückgang innerhalb einer zu großstädtischen und intellektualisierten Schicht in unseren Reihen legte den Gedanken nach innerer Neufundierung durch planmäßige Steuerung zu Siedlung und Handwerk mit ihrem Kinderreichtum nahe. Was sich unter der Einwirkung der reglementierenden Gesetzgebung anbahnt, trägt die Gefahren neuer Funktionsstörungen in sich. Die Beteiligung an den akademischen Berufen ist zwar erheblich zurückgedrängt und müßte im Laufe einer kurzen Generation bei unveränderter Gesetzgebung zur allgemeinen Durchschnittsziffer führen. Aber das Ausgleichsmoment einer entsprechenden Verteilung fehlt. Im Handel muß sich die bisher schon überstarke Beteiligung nicht nur nicht verringern, sondern sogar erhöhen. Die zu Handwerk und Landwirtschaft Umgeschichteten könnten zwar eine gesunde Verteilung herbeiführen. Aber hierzu ist staatliches Eingreifen notwendig, das uns in diesen beiden — Handwerk und Landwirtschaft —- gesetzlich gesicherte Grundlagen gibt und die Notwendigkeit einer Verwertung der hier erworbenen Fähigkeiten außerhalb Deutschlands erspart. Sonst gelangen wir wieder nicht zur gesunden Berufspyramide und bleiben, ohne unser Wollen und gegen unsere Einsicht, Beispiel einer eingliederungsunfähigen Gemeinschaft. Der Wille der nationalsozialistischen Führung zu einer evolutionär gesetzmäßigen Regelung der deutschen Judenfrage ist oft ausgesprochen worden. Eine Fülle von Hemmungen gegen die Juden würde fortfallen, wenn die Normalschichtung erreicht wäre. Denn der 0,85-Jude inmitten von 100 anderen wird niemals als Beeinträchtigung oder Gefährdung seines Berufs- und Standesgenossen empfunden werden. Jede unverhältnismäßige Zusammenballung von Juden in bestimmten Berufen führt jedoch im Laufe der Zeit notwendigerweise wieder zu Spannungen, die inmitten einer zur stetig ruhigen Entwicklung strebenden Zeit uns unerwünscht sind und der deutschen Allgemeinheit nichts nutzen. Wir deutschen Juden haben immer unseren Nutzen dem Nutzen Deutschlands gleichgeschaltet empfunden. Und so verstehen und erhoffen wir unser Recht 283