Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 5 (November 1933)
- Article
- Draußen und Drinnen
- Date
- 1933-11-01
- Page
- 282 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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gängen gemein, die für deutsche Juden in- und außerhalb der deutschen Grenzen ein klarer Weg ins Freie sein sollten. Aber schon geschieht die Verknüpfung und schafft sich den gedanklichen Überbau, als ob die Lebensnotwendigkeiten der deutschen Juden nur auf Kosten des deutschen Weltprestiges zu erreichen und zu sichern seien. Wenn aber auch, nicht durch unseren Willen, Deutschlands Aufstieg nicht mehr der unsere sein soll, so bedeuten doch Deutschlands Schwierigkeiten in jedem Falle Vermehrung unserer Lasten, auch wenn man sie uns nicht als Deutsche, sondern als Juden tragen läßt. Daß es sich in unserer Gefühlssphäre anders darstellt, das wissen nur wir allein. Sollten wir in Genf mutwillig uns selbst die Luft abgeschnürt haben? Vielleicht wird uns, wenn wir auf die Einheit von Gesinnung und Zweckmäßigkeit hinweisen, eher geglaubt. Es gibt keine Außenpolitik der deutschen Juden, die außerhalb der deutschen Grenzen und gegen Deutschland zu führen wäre. Unklarheiten und scheinbare Widersprüche, die entstanden und entstehen, werden vor der Geschichte gerechtere Beurteilung finden. Wir akzeptieren die Formulierung von der deutschen Judenfrage als einem Fall sui generis, wie sie der deutsche Vertreter in der Genfer Minderheitendebatte wählte. Was Herr von Keller meinte: die deutschen Juden seien nicht nach üblichem Schema und mit gebräuchlichen Denkkategorien minderheitenrechtlich zu betrachten und einzuordnen, — wir haben grundsätzlich, ohne je vorher an Minoritätenprinzipien zu denken, niemals anderes von uns ausgesagt, wenn wir es auch damals und jetzt in manchem vielleicht anders meinten als Herr von Keller. Wir betrachten uns als organischen Bestandteil des deutschen Gemeinschaftslebens. Wenn wir in ihm, da es seine Formen ändert, als funktionsstörend empfunden werden, so bleiben wir doch Organ, dessen Funktionen für sich und im großen Kreislauf den neuen Bedürfnissen entsprechend reguliert werden können. Verkümmerung oder Entfernung von Organen sind nie zuträglich. Wir beobachten bereits, wenn wir hinter Paragraphen und Richtlinien sehen, entschiedene Ansätze zu solchen Funktionsänderungen des deutschen Judentums, die sich im Gefolge der Ariergesetzgebung vollziehen. Aber es muß uns, die auch als Objekte des Geschehens schließlich die Verantwortung für unsere 282