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Der Morgen · 1933-10-01 · Heft 4 (Oktober 1933) · p. 264

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 4 (Oktober 1933)
Article
Deutschtum "und" Judentum
Date
1933-10-01
Page
264 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Deutschtum „und" Judentum Ein Brief von Franz Rosenzweig vom 18.1.1918 Das hier verteidigte .Sdiriftdien" ist: .Zeit ist's . .. Gedanken über das jüdisdie Bildungsproblem des Augenblicks' (jetzt zugänglidi in der im Philo Verlag ersdiienencn Sammlung kleinerer Sdiritten Franz Rosenztseigs „Ziveistromland" ). in dem die erste Welle jüdisdier Selbstbesinnung zum Ausdruck kommt, deren Früdite u. a. die Hodisdiule für die Wissensdiaft des Judentums in Berlin und das Freie Jüdisdie Lehrhaus in Frankfurt waren. Der nadistehende Brief ist mit freundlidier Genehmigung des Verlages dem Sdiocken- Almanadi auf das Jahr 5694 entnommen. Hochverehrte liebe Frau Sommer, Ihr Brief und der Ihres Herrn Gemahls an meine Eltern ist mir nach Mazedonien und wieder nach dem Westen nachgereist, so daß ich ihn erst vor ein paar Tagen erhielt. Ich hatte eigentlich daraufhin Lust, auf dem Rückweg Sie in Frankfurt zu überfallen, aber daraus wird ja doch nichts. So schreibe ich lieber — und bitte gleich im voraus um Nachsicht für etwaige Schärfen, ohne die es — fürchte ich — nicht abgehen wird. Ich bin ja angegriffen und muß mich also meiner Haut wehren. Meiner Haut und vielleicht — meines Herzens. Als ich das Schriftchen Hermann Cohen zuschrieb, meinte ich eigentlich, es dadurch vor Deutungen wie der Ihrigen zu schützen. Ich wollte die Zulässigkeit des Standpunktes, daß gutes Deutschtum und gutes Judentum in Einem Menschen verträglich zusammen wohnen können, grundsätzlich anerkennen, ohne grade mich mit der besonderen Behandlung, die Cohen dem Problem in seiner bekannten Kriegsschrift gibt, schlechtweg einsetzen zu wollen. Grade von diesem Standpunkt aus, der doch auch Ihrer und der „Ihrer und meiner Väter" (seit rund 100 Jahren) ist, fragte ich mich: was tut not? Denn allerdings, so sehr ich den Standpunkt anerkenne, so sehr waren mir doch auch seit Jahren schon die Schwierigkeiten gewärtig, die ihn umgeben. Grade der Rückblick auf die „Mühen und das höchste Ideal dessen unter meinen Vätern, durch den ich selber mit der Zeit der Mendelssohn Geiger Riesser Zunz zusammenhänge, mußte mich auf diese Schwierigkeiten stoßen, ganz abgesehen 264

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