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Der Morgen · 1933-08-01 · Heft 3 (August 1933) · p. 211

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 3 (August 1933)
Article
Unsere rationale Erziehungsaufgabe
Date
1933-08-01
Page
211 (sequence 4)
Language
German
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Unsere ratioaale Errieiraagsaufgabe Durch solche rationale Erhellung der Gegenwartslage, vor allem auch des wissenschaftlichen und unwissenschaftlichen Antisemitismus, und durch innige Besinnung auf die jüdische Substanz entgehen wir zugleich einer großen Gefahr, der besonders die jüdischen Schüler an nichtjüdischen Schulen heute ausgesetzt sind: der unbefangenen Übernahme aktueller Begriffe und Ziele, wie ich sie angedeutet habe, als seien sie unsere eigenen- Und dieser Gefahr unterliegen häufig gerade „positive" Juden, indem sie ihr Judentum völkischrassisch-bodenständig und nur so begründen. Das ist eine passive Reaktion, die mit der Assimilation gewisser jüdischer Gruppen an nationaldeutsche Gedanken, trotz scheinbar entgegengesetzter Willensrichtung, verwandt ist Wir dürfen uns nicht dazu verführen lassen, aus der Entsicherung unseres gegenwärtigen Lebens möglichst schnell mit Hilfe fremden Geistesgutes in die unwiederbringliche alte Ruhe zurückzusuchen. Vor dieser Verführung warnt die rationale Erziehung. Nicht, als ob es nicht wirklich so etwas wie „zerstörenden Intellekt" gäbe; wenn das Analysieren sich selbst genügt und mehr als ein Mittel sein will, so erscheint uns solche ratioaale Autarkie als heillose Verirrung, wenn sie sich für das Judentum auch unschwer geschichtlich erklären läßt — Der zweite Typ eines verirrten Intellektualismus, den es durch rechte Erziehung zu vermeiden gilt, ist der Literat mit seiner schlecht journalistischen Mischung aus gcistreichelndem Feuilletonismus und politisierendem Snobismus. Seine charakterlose Unverbindlichkeit vor allem, die er geistige Beweglichkeit nannte, hat ihn verhaßt gemacht Gemeint aber ist der Mut zu einer geistigen Autonomie des ganzen. Menschen, die auf ein Handeln hinzielt. Nur indem wir die heutigen Geschehnisse <Icnkend durchdringen, vermögen wir unser Schicksal, Objekt zu sein, zu durchbrechen. Unterliegen wir im Sein, so seien wir freie Menschen im Bewußtsein. — Rationalismus, so verstanden, ist unsere Aufgabe als Abwehr und Selbstbestätigung um unsertwillen; vielleicht sogar retten wir so die YV'achhcit in eine Zukunft hinüber — um der „unendlichen Versöhnung" willen. In diesem Sinne zitiere ich Sokrates, der in der „Apologie" sagt: „Zu diesem Zwecke hat mich, wie ich glaube, der Gott der Stadt zugeteilt, damit ich unaufhörlich euch wecke, ermuntere und tadele, indem ich jedem einzelnen den ganzen Tag und allenthalben zusetze. Einen anderen der Art werdet ihr so leicht nicht wieder bekommen, werdet mich also, wenn ihr mir folgt, schonen müssen," 2tt

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