Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 3 (August 1933)
- Article
- Die jüdische Schule
- Date
- 1933-08-01
- Page
- 201 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Die jüdische Schale Erfolg und welcher Hingebung das jüdische Lehrerfeininsr in Würzburg jüdische Lehrer heranbildet, halte ich doch für geboten, daß der preußische jüdische Lehrer nicht hinter den allgemeinen Forderungen zurücksteht, die für die christlichen Lehrer in Preußen maßgebend sind. Seine Ausbildung kann und darf nur eine akademische sein. Daß aber der junge jüdische Lehrer, der in Zukunft in Deutschland nur in jüdischen Schulen wird wirken können, seine allgemeine Ausbildung an denselben Stätten erfährt, an denen der christliche Kandidat vorbereitet wird, bringt den Vorzug, daß er in die jüdische Schule alles das hineintragen kann, was von dem neuen Geiste des neuen Staates irgend mit der Würde und Ehre des deutschen Juden vereinbar ist. Daß und wie mannigfache Berührungspunkte es gibt, ist neuerdings von verschiedenen jüdischen Seiten betont worden. Diese sorgsam zu pflegen, dürfte eine wichtige Aufgabe der jüdischen Schule in Deutschland sein. Vielleicht daß dann doch einmal der Tag kommt, an dem sich herausstellt, daß die beiden getrennten Wege die Söhne und Töchter desselben Vaterlandes von innen heraus wieder mehr zusammenführen, als das heute möglich ist. Vielleicht, daß gerade, wenn einmal eine reinliche Trennung vollzogen ist, eine Entspannung und Beruhigung eintritt, die die Möglichkeit offen läßt, diese vorläufige Regelung später zu überprüfen. Mit meinen Vorschlägen, die sich in verschiedenen Punkten mit Wünschen decken, die auch von anderer Seite ausgesprochen worden sind, glaube ich, gewiß nicht im Sinne aller jüdischen Deutschen, aber doch im Sinne der meisten auf ihr Judentum stolzen, aufrechten deutschen Juden aus den verschiedensten Lagern zu sprechen; sie alle dürften mit mir in den hauptsächlichsten Punkten übereinstimmen bis etwa auf das, was ich von meinem gesetzeslreucn Standpunkt aus mit besonderem Nachdruck fordere. Keineswegs aber ist es mein Wunsch, daß diejenigen jüdischen Kinder aus den öffentlichen Schulen verdrängt werden, deren Eltern dies nicht wünschen. Von denen zu schweigen, die bei äußerer Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft sich auch heute noch den christlichen Deutschen anzuähncln glauben, indem sie sich selber untreu werden oder gar verleugnen. Für diese ist die jüdische Schule der am allerwenigsten geeignete Platz. Noch weniger können „nichtarische" Kinder in ihr Raum finden, die der christlichen Religion angehören. Es ist Sache des Staates, für diese beiden Gruppen eine Lösung zu finden, die beiden Teilen genehm ist Er hat ja bisher den Kindern semitischer Abstammung nicht grundsätzlich die Aufnahme verweigert, und er wird das gewiß auch in Zukunft nicht tun. 14 20t