Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1933-08-01 · Heft 3 (August 1933) · p. 194

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 3 (August 1933)
Article
Die jüdische Schule
Date
1933-08-01
Page
194 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2895450-2895515-2895519-2903091--06475-2903166
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jakob Hororitx eine Erfüllung nicht geworden. Die Maßnahmen, die das neue Deutschland gegen uns Juden zu ergreifen für notwendig erachtet, sind vielleicht so von einem höheren Gesichtspunkt aus in dieser Hinsicht ein Segen, oder sie könnten uns doch zum Segen werden. Wir sehen dabei allerdings nicht nur von der Härle und Plötzlichkeit ab, mit der sie uns vollkommen unvorbereitet treffen, sondern auch davon, daß zahlreichen Juden in Deutschland eine Betätigungsmöglichkeit nach der anderen entzogen wird, und daß dabei dieser Prozeß noch keinen Abschluß gefunden hat. Viele sind zusammengebrochen und zerbrechen. Diese Entwicklung führt nun aber unweigerlich dahin, daß das jüdische Kind Tag für Tag immer weniger Platz haben wird in den städtischen und staatlichen Schulen. .Vlies läuft darauf hinaus, die Kinder ebenso wie die Erwachsenen gleichzuschalten. So wie diese sich in der nationalsozialistischen Gemeinschaft zusammenschließen, so wird die gesamte Jugend sich immer mehr um die Hitlerjugend scharen. Diese äußere Zusammenfassung aber ist nur ein Ausdruck für den Geist, den die Schule nach ihrem ganzen Plan immer mehr im Sinne des neuen Staates auszuprägen die Aufgabe hat. Was hat das jüdische Kind in einer Schule zu suchen und zu finden, deren Grundlage die neue Rassenlehre ist, wie sie der Nationalsozialismus verkündet? In den großen Städten finden die jüdischen Kinder einstweilen vielleicht da und dort dadurch einigen Halt, daß in den einzelnen Klassen noch eine Anzahl jüdischer Kinder verblieben ist, die sich gegenseitig stützen, noch abgesehen von dem Halt, den sie an der jüdischen Gemeinde überhaupt besitzen. Auch bringen ihnen noch vielfach Mitschüler, die mit ihnen früher in harmloser Kameradschaft aufgewachsen waren, ein gewisses Verständnis entgegen. Und selbst nationalsozialistische Lehrer, die aus voller Überzeugung sich dem neuen Geist verschrieben haben, lassen solchen Schülern gegenüber doch noch ein gewisses menschliches Verständnis und eine gewisse Rücksicht zuteil werden. Das wird und muß folgerichtig anders werden, wenn einmal die jungen Studenten, die in diesem Betracht nur von der Theorie leben, Judentum und Juden zum großen Teil gar nicht kennen, ihren Einzug in die Schulen halten werden. Was soll aus dem jüdischen Kinde werden? Bei dieser Sachlage ist es wahrhaft als eine Rettung in der Not anzusehen, daß wir auch eine Reihe höherer jüdischer Schulen haben: sie sind heute weniger denn je zu entbehren. In diesem Punkte begegnen sich denn auch die Interessen des Staates mit denen des deutschen Judentums. Schließlich kann 194

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.