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Der Morgen · 1933-08-01 · Heft 3 (August 1933) · p. 192

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 3 (August 1933)
Article
Die jüdische Schule
Date
1933-08-01
Page
192 (sequence 1)
Language
German
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Die jüdische Schule Von Jakob Horovitz Einer der wesentlichsten Grundsätze der jüdischen Erziehung ist seit je das Wort des Spruchbuchs: Erziehe das Kind nach seiner Art! Das individualistische Zeitalter, das für uns in Deutschland sein Ende gefunden hat, hat entscheidenden Wert gelegt auf den letzten Teil dieses Satzes. Unsere Zeit lehrt uns um so größeren Bedacht nehmen auf den ersten. Wir wollen dabei gewiß nicht die großen Verdienste schmälern, die die letzten Jahrzehnte für das Verständnis der Individualität jedes einzelnen Kindes gebracht haben. Gerade diese Erkenntnisse haben ja auch dazu geführt, die Kollektive besser zu verstehen, als das früher geschehen ist. Und was uns Juden angeht, so sind im Zusammenhang mit diesen Bestrebungen ausgezeichnete Arbeiten über das Wesen des jüdischen Kindes und zumal auch des deutschen jüdischen Kindes erschienen, die für uns in diesen Tagen eine erhöhte Bedeutung erhalten haben. Hat so schon ohnehin dieselbe Psychologie, die uns das einzelne Kind besser verstehen gelehrt hat, uns dazu gebracht, auch die Bedürfnisse der einzelnen Gruppen besser zu erkennen, so gilt es, alle diese Erkenntnisse einmünden zu lassen in einen Weg, der für alle verpflichtend ist. Wir mischen uns dabei in diesem Augenblicke nicht in den Streit der Meinungen über den Begriff der Erziehung. Im Judentum ist er zu allen Zeiten bei aller unterschiedlichen Auffassung, bezüglich eines, mit des wichtigsten Punktes immer in demselben Sinn verstanden worden, in dem die heilige Sprache den Begriff selbst ausgeprägt hat. Man sollte eigentlich nicht übersetzen „erziehe", sondern „weihe" das Kind nach seiner Art. Damit kommt zum Ausdruck, daß für die Erziehung der religiöse Charakter bestimmend ist, ja, daß es keine Erziehung geben kann ohne Weihe. Diese Weihe aber ist und war zu allen Zeiten das Gesetz. Es bildete und bildet das Kollektiv, das den Individuen Spielraum genug läßt, aber 192

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