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Der Morgen · 1933-08-01 · Heft 3 (August 1933) · p. 189

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 3 (August 1933)
Article
Die jüdische Schule
Date
1933-08-01
Page
189 (sequence 2)
Language
German
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Julius G&lUner: Die jüdische Schule sammcnhunge mit der Tradition zu wahren wußte und die Verbindung von der alten zur neuen Zeil gesucht hat. Ms Ist darum ein Selbstverständliches, daß in dem Augenblick, in «lein unsere Fxistenz, unsere Zukunft in Frage gestellt ist, die Krziehuug unserer Jugend zum zentralen Problem wird. Durch diu neuen Formen, die Staat und (ic-sellschaft sich gegeben haben, durch die neue Schule, die für die neue Staatsform vorl>ereiten soll, ist die Frage der jüdischen Schule etwas Entscheiden.les für uns geworden. Die neuen gesetzlichen licslimmungcn, nach denen ein Numerus clausus für die jüdischen Schüler festgelegt ist, beziehen sich zwar nur auf die höheren Schulen, während die Volksschulen im Hinblick auf die allgemeine Schulpflicht von den neuen Verordnungen nicht berührt werden. Das trifft a!>er nur in formaler Hinsicht zu. Ms ist möglich, »laß die Itichtlinicu für das gesamte Schulwesen so gefaßt werden, daß ein Teil unserer jüdischen Kinder in jüdischen Schulen zu erziehen und zu unterrichten Sein werden. Für die liegründuug jüdischer Schulen kann nicht die Frage entscheidend sein, ob sich zurzeit für unsere Kinder wenig oder gar.nichts in den öffentlichen Schulen geändert hat, vielmehr muß die Frag« unserer Zukunft in den Mittelpunkt gerückt werden. W ir müssen auch an diesem Wendepunkt der (»eschichle von dem (icdankcu beseelt sein, «laß unsere Zukunft eine Krziehungsaufgahe ist. Die (IWindung jüdischer Schulen bedeutet keineswegs eine Abkehr von unserer prinzipiellen Anschauung, daß unsere jüdische« Jugend mit der gesamten Jugend in den üffeiitlic ben Schulen gemeinsam unterrichtet werden muß, um gegenseitiges Verständnis zu fördern und, soweit dies möglich ist, bestehende (iegeusätze zu überbrücken. Die jüdisc he Schule wird demnach überall dort ihre lierechtiguug halten, wo die jüdischen Kinder, .-sei es infolge des Numerus clausus oder durch Fiuwirkuiig .seelischer Art genötigt sind, von der allgemeinen Krziehuug sich loslösen zu müssen. Daraus dürfte sich auch die Aufgabe einer jüdischen Sehlde ergeben. Sie kann nur dieselbe sein, die die jüdischen (Icmeiuden Deutschlands bisher in ihren Schulen zu erfüllen gesucht haben. Als letztes und höchstes Ziel kann wie« bisher auch in unseren Tagen die jüdische Schule kein anderes haben als die Krziehuug zum reinen Menschentum. Sie hat als deutsche Schule die jüdische Jugend zu guten Deutscheu zu erziehen, sie hat sie mit denewigen Werten deutscher und allgemein-menschlicher Kultur zu erfüllen und hat in diese auch unser jüdisches Kulturgut, die ewige Wahrheit unserer Ilcligioil, einzugliedern. Dadurch allein dürfte eine Jugend heranreifen, die eltenso stark mit Vaterland und Heimat wie mit Juden und Judentum verbunden ist. Kine neue 189

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