Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1933)
- Article
- Der Rabbiner als geistiger Führer
- Date
- 1933-06-01
- Page
- 110 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Stellung des Geistlichen in dar GesstSoAa weder eine allgemeine Rettung noch individuelle Erlösung. Denn Menschen, die um sich selbst nur wissen als um Gehaßte und Gemiedene, müssen fast noch mehr innerlich und seelisch als materiell der Zerstörung anheimfallen. Darum werden gerade heute das Erbgut unsres Geistes und seine bewußte Aneignung durch jeden Einzelnen von uns zu biologisch bedeutsamen Mitteln für unsre Selbsterrettung. Unser Schicksal so erschauen und es dann heben trotz allem, das heißt im Lichte des Göttlichen das Leben betrachten. Denn was ist Religion und was besonders die jüdische, die nicht abzulösen ist von dem wechselvollen Geschick unsres Stammes, wenn sie nicht in dem Glauben daran beruht, daß wir das uns Aufgebürdete um Gottes willen tragen? Wessen Aufgabe es aber ist, die religiöse Lehre zu verkünden, dessen Vorrecht wird es gerade in einem tragischen Augenblicke sein, unermüdlich und nicht beirrt von Eindrücken, die jetzt mit furchtbarer Wucht auf ihn wie auf alle einstürmen, an dem Sinn des jüdischen Lebens als an dem von Gott so gewollten festzuhalten und mit solcher Überzeugung die Gemeinde aufzurichten und zu trösten. Wenn je, so bedeutet nun der Geist nichts, was von allen andern Daseinskräfien als Äußerung bloßer Anschauung und Theorie geschieden ist. Er ist ein Stück von unserm Leben selber, von unsrer Seele, von unsrer Religion. Führer in ihm, Führer zu ihm kann nur sein, wer mit unbeirrler Gläubigkeit in dem so schwer gewordenen jüdischen Dasein Gottes Wirken andächtig verehrt. MO