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Der Morgen · 1933-04-01 · Heft 1 (April 1933) · p. 76

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 1 (April 1933)
Article
Der Felsenbrecher [Rezension]
Date
1933-04-01
Page
76 (sequence 3)
Language
German
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Walter Go!dstein "Wassermann erzählt, Freunde über dieses sein Vorhaben wunderten. Seit langem, vielleicht seit dem „"Weg als Deutscher und Jude" hat kein Bach so viel von Wassermann selbst aasgesagt und soviel von seinem innersten Wesen enthalten wie diese Erzählung vom lieben des Abenteurers, der unter unvorstellbaren Mühen in das Herz eines dunklen, unbekannten Erdteils eindringt, fast kann man sagen, ohne einen zureichenden Grund. Denn die Zielsetzungen, die er sich selber gibt oder die ihm von außen gegeben werden, die ihm der sogenannte Zufall in die Hand spielt, sie alle sind keine hinlänglichen Begründungen für das Ertragen derartiger Qualen, wie sie diese drei zivilen Feldzüge einer ganzen Anzahl von Menschen zumuten. Alle wesentlichen Züge Wassermanns vereinigen sich hier: die romantische Sehnsucht nach dem Abenteuer, nach allen Überraschungen dtT schönen wilden Welt; die Liebe zu dem großen Wagenden -verbunden mit der Erkenntnis, daß die sogenannte Tat im letzten nur eine Frucht glücklicher Träume ist; die Betrübnis des Schaffenden, der stets aufs neue mit Hoffnung beginnt und stets aufs neue Enttäuschung erntet E$ ist verlockend, diese historische Erzählung mit der frühen historischen Dichtung des Alex.-vnderzuges zu konfrontieren; wie ist da alles verschieden bis in die Bilder und bis in die Sprache hinein, und wie ist da alles das Gleiche und in seiner Ähnlichkeit wiederum nichts als der Ausdruck für das Wesen und das mühselige Streben des Dichters Wassermann. Immer wieder zieht Alexander oder zwei Jahrtausende später Stanley in unbekanntes Land, immer wieder werden von neuen Männern neue Wregc gebahnt und immer wieder steht am Ende der entsetzlichen, ihnen selbst kaum verständlichen Plackerei der grinsende Gegenspieler; bei Alexander heißt er Arrhidäos, bei Stanley Emin Pascha. Es ist das Spiegelbild, das Ich mit dem negativen Vorzeichen, dos zum Schluß jeweils auftaucht und den großen Wagenden zu schwächen, zu irritieren versucht. Aber das ist der grundlegende Unterschied: Alexander verliert sich, Stanley jedoch fängt sich auf. Alexander ist zum Schluß der Verlierende, und der Mann mit dem negativen Vorzeichen triumphiert, aber in unserem neuen Buche geht Emin Pascha zugrunde und Stanley, der wahre Held, bleibt sich selbst treu. Denn ob er auch später in seinem Garten ein Liliput-Afrika aufbaut, er bleibt auch in diesem Zwergenreiche ein Riese. Und das ist das Vorzügliche an Wassermanns neuestem Werk, daß es geradezu Ströme der Kraft aussendet und den Menschen das gibt, was sie heutigentags brauchen, nämlich: Stärkung am großen Vorbilde und den Hinweis, daß ein fesler "Wille auch scheinbar Unmögliches durchzuführen vermag. Bula Matari. Kein Name paßt besser für Wassermann selbst; er selber ist der Felsenbrecher; in die Urwälder des dunklen Seelen-Erdenteils bricht er immer wieder ein und ruht nicht, bis er neue Wege geschaffen und den erstaunt Folgenden neue grandiose Aussichten gewiesen hat. So kann man getrost sagen, daß die Schaffung dieses Stanley-Buches durchaus nicht verwunderlich sondern Wassermanns eigenste, höchst persönliche Tat war. 76

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