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Der Morgen · 1933-04-01 · Heft 1 (April 1933) · p. 75

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 1 (April 1933)
Article
Der Felsenbrecher [Rezension]
Date
1933-04-01
Page
75 (sequence 2)
Language
German
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Walter Goldstein: „Der FelsenbrocW ganzer Abschnitt seines Gesamtwerkes ist geschichtlichen Inhalts. Als jüdischer Deutscher begann er mit dem Roman der „Zirndorfer Juden", und diese geschichtliche Richtung setzt sich dann fort über den „Alexander in Babylon" und die „Schwestern" zum „Gold von Caxamalca" und zu anderen kleineren Arbeilen. Nun lag es bis vor kurzem so, daß alle diese Werke unter einem einheitlichen Gesichtspunkte zu fassen waren, denn sie alle waren historische Dichtungen, in ihnen allen war die Historie nur der Anlaß, um der poetisch frei schaltenden Phantasie Gelegenheit zur Auswirkung zu geben. So sind beispielsweise der „Alexander" und das „Gold von Caxamalca" zwei der phantasiemäßig schönsten Arbeiten Wassermanns überhaupt. Diesen Werken stand — bis vor kurzem — in völliger Isolierung das bedeutendste Werk Wassermanns gegenüber: der Caspar Hauser-Roman. Denn das gerade ist ja die Schwierigkeit dieses Buches, daß es bei freier dichterischer Ausgestaltung sich dennoch zum erstenmal bewußt um Historie bemüht, ja trotz allem Phantasiemäßigen durchaus Historie geben will. Aus dieser Vermengung sind zum Teil die Schwierigkeiten zu erklären, die dem Buche von der Trägheit des Menschenherzens eine zeillang erwuchsen. Mit dem Columbus geschah etwas vollkommen Neues. Hier war nicht mehr historische Dichtung sondern erzählte Geschichte, hier war die Geschichte nicht mehr bloßer Vorwand, die Phantasie spielen zu lassen, sondern 'umgekehrt: die Phantasie war nur noch das schmücker:,::, auedeutende Hilfsmittel für die genaue Darstellung von Gegebenheiten. Für diese Wandlung sprach rein äußerlich die Tatsache, daß der Columbus zum erstenmal einen Literaturnachweis enthielt. Man sah das Buch mit freudigem Erstaunen, aber man mochte die möglichen Folgen des Sclirittes kaum überdenken und tat gut daran abzuwarten, ob dieses Werk eine Einmaligkeit bleiben oder ob es durch spätere Bücher gleicher Art den Wert und die Bedeutung einer neuen Richtung haben würde. Nun liegt also der „Stanley" vor. Die prinzipielle Frage ist entschieden und man steht mit erneuter Bewunderung vor der Leistung eines Schaffenden, dem ein gütiges Geschick immer im Augenblicke der Krise seine Tage erneuert. Denn dieses ist ganz ohne Zweifel: der Wendekreis, an dem der Künstler Wassermann so lange und so erbarmungswürdig rang, ist jetzt erst wahrhaft und endgültig überschritten und das Neue, das man erhoffte, und das der Etzel Andergast trotz aller aktuellen Motive im Grunde durcliaus nicht gab, das ist mit dieser Erzäldung aus vergangenen Tagen völlig erreicht. Das Ergebnis der Wandlung ist eine neue Klarheit der Form und eine wirkliche neue Sachlichkeit der Sprache, die dem inneren Wunsche der Zeit außerordentlich entspricht. Gewiß sind beide Bücher nun nicht mehr der Tummelplatz üppiger Dichlerphantasie, aber es will uns scheinen, als habe Jakob Wassermann längst die Höhe erreicht, auf der es erwünscht ist, Dichtung und Wahrheit genau voneinander zu trennen. * Das Buch nun im besonderen angehend, so ist es erstaunlich, daß sich, wie 75

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