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Der Morgen · 1933-04-01 · Heft 1 (April 1933) · p. 74

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 1 (April 1933)
Article
Freiheit und Freiheiten
Date
1933-04-01
Page
74 (sequence 6)
Language
German
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Gottfried Salomon: Freiheit und Freiheiten ralismus herauswuchs, ist auf dem Kontinent die Überwindung des Feudalismus und der allen Verwaiiungsmonarchie durch das konstitutionelle System nur unvollkommen gelungen. Mit der industriellen Entwicklung hat das individuelle auf Kasten des kollektiven Elements an Einfluß verloren, Milieu und Organisation haben die Tätigkeit und Bildung des Menschen bestimmt; die einzige unteilbare Macht der Gesellschaft aber ist nur zentral und an der obersten Spitze, nicht in den darunter liegenden Stufen gedacht: und so wird die Demokratie mit ihrer zenlralistischen und uniformislischen Tendenz Grundlage einer staatlichen wie parteilichen Bürokratie, welche die privaten Vereinigungen wie lokalen Körperschaften völlig unterordnet. Der Liberalismus war sich immer des Widerspruchs zwischen dem Staat als Schöpfung der Freiheit und dem Staat als Schöpfer der Freiheit bewußt. Die Demokratie dagegen hat den Staat alsdcus ex machina erklärt und i>eine Einheit nach außen als Nation gedeutet. Das Bcwußt- 'sein der Gefahr, das jeder von liberalem Geist verlassenen Demokratie droht, indem alle Mittelpunkte freiwilliger Zusammenarbeit und des Y/iderstandes gegen Unterdrückung beseitigt sind, liegt eigentlich in der Unterscheidung der Freiheit in der Einzahl und der Freiheiten in der Mehrzahl. Eine Demokratie freier Menschen setzt die Erziehung der Massen zur Selbständigkeit und Freiwilligkeit voraus und verlangt vor der Selbstregierung im Staate Selbstverwaltung. Die Auslese der Führer, der Elitenbildung aus der Masse wie der Sinn der Opposition, der berechtigten Vertretung der Minderheit, sind nicht eigentlich demokratisch. Die Umgestaltung des besonderen Interesses in die politische Allgemeinheit ist durch die volonte generale oder die Expropriation nicht garantiert. Der Parteienstaatbedeutet, daß der Staat nur der Agent sozialer Interessen wird, aber in Wirklichkeit handelt es sich um eine Umwandlung der Politik in Technik. Der Technizismus in der Bürokratie der verschiedenen sozialen Organisationen und ihrer Vereinigung in einer Gesamtvertrelung, die kein Parlament mehr i?t, ist offensichtlich eine Rückkehr zu den Prinzipien der Verwaltungsmonarchie. „Der Felsenbredier" Walter Coldstein Jakob Wassermanns neues Werk über das Lehen Stanleys1) führt den mit dem Columbus gemachten Ansatz fort. Dies ist prinzipiell wichtig in dein neuen Buche und \\ ertlicher fast als alles, was sich über das Werk im Einzelnen sagen läßt. Jakob Wassermann ist wie alle Romantiker stark traditions-gebundeu und am Geschichtlichen sehr interessiert. Ein *) „Hula Matari. Das Leben Stanleys, des Eroberers von Zcntrabfrika." Verlag S. Fischer, Bcrha ig3a, geb. ZX&.— ° 74

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