Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 1 (April 1933)
- Article
- Deutsch-jüdische Bauernsiedlung
- Date
- 1933-04-01
- Page
- 53 (sequence 5)
- Language
- German
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Deutsch jüdische Bauernsiedlung — Eine Erwiderung Fehler, den ich gewöhnlich als die „Spatzenrechnung" bezeichne, nach der alten Scherzfrage: „Wenn ich von 10 Spatzen, die auf dem Dach sind, einen herunterschieße: wieviel bleiben sitzen?" Der Fehler besteht darin, daß man sich aus einem System zusammengehöriger Tatsachen nur eine als verändert vorstellt, ohne daran zu denken, daß die eine Veränderung entsprechende Veränderungen aller anderen Tatsachen herbeiführen muß. Die Spatzen fliegen weg! Wenn wir den deutschen Osten weithin aus Großgrundbesitzerland in Bauemland verwandeln, so ändern sich die Verhältnisse des Verkehrs und des Absatzes grundstürzend. „Wer Bauern schafft, schafft Städte!" Dieser Kernsatz meiner Lehre ist durch die Erfahrungen der Siedlungspolitik unzählige Male glänzend bestätigt worden. Überali sind die dchmvegetierenden Kleinstädte im Siedlungsgebiet an Einwohnerzahl und noch viel mehr an Kaufkraft aufgeblüht, seit die Neubauern dort ihre Produkte zum Markt brachten und ihre Bedürfnisse nachfragten. Dann aber erschließen sich auch dem jüdischen Handel und Handwerk neue Möglichkeiten in großer Zalil. Noch mehr! Wo nach genossenschaftlicher und bodenreformerischer Methode gesiedelt wird, und das ist die Weise, die meine Freunde und ich anwenden, da eröffnen sich in den Dorfschaflen selbst Ansiedlungsmöglichkeiten für jüdische Handwerker und, mindestens als Beamte der Genossenschaften für Konsum, Absatz, Molkerei usw., auch für jüdische Kaufleute. Ui-.nöglich, die Gesamtzahl dieser gleichfalls fest verwurzelten Elemente zu schätzen: aber gering kann sie nicht sein. Wir wollen uns also durch den Pessimismus des im übrigen erfreulich sachverständigen Verfassers nicht hindern lassen, das unsere zu tun, um dem rapiden Vernichtungs- und Einschmclzungsprozeß der deutschen Judenheit einen Damm entgegen zu stellen. Wer den Wunsch hat, diese Gruppe erhalten zu sehen, die wahrlich für Deutschlands Wohlstand und Ehre das ihrige geleistet hat, der wird keinen besseren Weg finden als den unseren. Schon aus hygienischen Gründen nicht. Heute sind wir eine fast ausschließlich großstädtische Gruppe geworden und unterliegen all den sittlichen und leiblichen Gefahren, die die Großstadt, trotz aller hygienischen Verbesserungen der letzten Jahrzehnte, immer noch mit sich führt. Dessen ist das rapide Absinken der jüdischen Geburllichkeit, dessen ist die zunehmende Anzahl von Geistes- und Konstitutionskrankheiten ein verhängnisvolles Warnungszeichen. Vorwiegend aus den Kleinstädten und Dörfern kamen die Männer, die unserem Volke Ehre gemacht haben. Ein Teil von uns muß wieder zurück zur Mutter Erde! 53