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Der Morgen · 1933-04-01 · Heft 1 (April 1933) · p. 52

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 1 (April 1933)
Article
Deutsch-jüdische Bauernsiedlung
Date
1933-04-01
Page
52 (sequence 4)
Language
German
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Frao* Oppenheinier immer stärker der Widerspruch der kleineren und mittleren Landwirte selbst gegen eine Zoll- und Handelspolitik, die nur einigen liundert, bestenfalls einigen tausend Beiriebsinliabera nützt, aber Millionen schwer schädigt. Wir haben also in absehbarer Zeit mit dem Zusammenbruch dieser Desperationspolitik zu rechnen und müssen ein so weit ausschauendes Unternehmen wie die jüdische Umsiedlung auf diese Zukunft, nicht aber auf unsere kranke Gegenwart einstellen. Schon für die allgemeine Bauernsiedlung ergeben sich daraus wesentliche andere Prospekte. Man wird nach dem Siege der deutschen „Anti-Kornzoll- Liga", die sicherlich demnächst auf dem Plan erscheinen wird, auch für den Bauern, auch im deutschen Osten, weniger Land brauchen, als heule erforderlich scheint. Wenn auch der kleine Mittelbauer sich eines der heute immer billiger werdenden Automobile hallen kann, und wenn er irgendwie mit anderen zusammen für die Ackerbestellung über Traktoren verfügt, so wird der Besitz eines Pferdegespannes nicht mehr als das Zeichen einer höheren sozialen Stellung gewerte* werden, und damit ist dann auch der psychologische Beweggrund für das Streben nach möglichst großem Landbesitz geschwunden. Und der Bauer ist wahrlich nicht töricht genug, um ohne einen peinigenden Beweggrund sich die vermehrte Arbeil aufzuhalsen, die die vermehrte Ackerfläche mit sich bringt! Aus der derart veränderten Situation ergeben sich nun speziell für die Siedlung von Juden Aussichien, von denen der Pessimismus Ernst Holzers nichts sieht. Sie werden, wie schon einleitend bemerkt, nur in s^hr geringem Maße als eigentliche Bauern, überwiegend aber als landwirtschaftliche Spezialisten, namentlich als Gärtner, angesetzt werden müssen. Das bedeutet, daß die für den Betrieb erforderliche durchschnittliche Landfläche sehr viel kleiner ist, als Hölzer annahm. Wenn wir 2V2 Hektar 10 Morgen für diese Zwecke annehmen, so gehen wir wahrscheinlich schon ziemlich beträchtlich über das wirkliche Erfordernis hinaus. Nun gab es in Deutschland 1920 rund 564 000 Juden, sehr hoch gerechnet, zu etwa drei Köpfen pro Familie, etwa 180000 Familien. Es ist schon reiclilich utopisch, wenn wir voraussetzen wollen, daß davon ein Zehntel, also 18000 Familien, im nächsten Menschenalter als Landwirte im weitesten Sinne auf das Land gebracht werden können. Für diese 18000 Familien würden im ganzen 180000 Morgen £5 000 Hektar gebraucht werden: eine Größe, die angesichts der vorhandenen Fläche gar nicht in Betracht kommt. Dazu kommt noch etwas sehr Wichtiges. Holzer macht den sehr häufigen 52

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