Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1933)
- Article
- Politische Ideologien oder Politik für Menschen?
- Date
- 1933-02-01
- Page
- 487 (sequence 1)
- Language
- German
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Politische Ideologien oder Politik für Menschen? Von Alfred Hirsdbberg Der Blick auf den Weg des Judentums durch die Geschichte zeigt sehr selten einen Zusammenklang der geistigen Kräfte, die in ihrer Zeit Umwelt und Judenheit trugen. Meist ist entweder eine Vorwegnahme von Umweltentwicklungen durch die jüdische Gemeinschaft oder ihr Verharren auf einem von der Umwelt bereits wieder verlassenen Standpunkt festzustellen. In den kurzen Zeiträumen der Übereinstimmung liegen die Glanzzeiten des Judentums in seiner äußeren Wirkung und Mächtigkeit. In ihnen wird das sichtbare Judentum als das Judentum überhaupt angesehen und die der Zeit und ihren Ordnungen verhafteten Juden als die Träger überzeitlichen und eigengeordneten jüdischen Wesens. Die Juden, die im Licht standen, gerieten so in Abstand zu den Juden im Schatten. Auch die Umwelt und ihre Formen sahen die Juden anders aus der Helle, anders aus dem Dunkel. Zugleich wanderten und wechselten Licht und Schatten auch über der Umwelt, hoben heute dies heraus, um es morgen wieder zu verdecken. Es vollzogen sich Veränderungen, die man sah, aber auch solche, die man nicht sah. Der Weg durch das Gedankengelände wurde unübersichtiieh und bald nur noch nach Ideologien, diesen geistigen Wegkarten, möglich. Die Karten stimmten, aber die Erde hatte sich verändert. Das Judentum als Objekt der Umweltideologien wurde als Einheit gesehen, als Subjekt trug es zu jeder Umweltideologie einen jüdischen Teil oder eine jüdisch-gefärbte Lesart bei. Es gab Zeiten, wo das Judentum einheitliche Antwort auf die Frage der Umwelt war, einheitlich nach der Stellung der Umwelt fragte. Es ist sehr unwahrscheinlich, daß diese Zeit wiederkehrt, und es erscheint nicht wünschenswert, ihre Wiederkehr zu wollen. Die Gegenwart jedenfalls und' 487