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Der Morgen · 1933-02-01 · Heft 6 (Februar 1933) · p. 432

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 6 (Februar 1933)
Article
Der totale Staat
Date
1933-02-01
Page
432 (sequence 11)
Language
German
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Gottfried Salomon: Der Totale Staat und Mäzen fungieren. Alle Macht muß sich immer wieder auf den Geist berufen und ihre Rechtfertigung je nach dem kulturellen Stande des Volkes haben. Wenn wir heute von Politisierung aller Gebiete sprechen, so bedeutet das: Ideen drängen zur Macht, aber nicht etwa Ideen werden von der Obrigkeit erzeugt. In dem ständigen Prozeß zwischen Individuum und Staat erscheint der Geist als Berufungsinstanz und bestimmt ein Widerstandsrecht. In den Kämpfen der Stände und Blassen wird der ewige Anspruch des Geistes laut gegen den totalen Anspruch der Macht. Die Einheit, welche die nationale Idee fordert, ist eine Einheit in der Mannigfaltigkeit der stammlichen wie kulturellen Sondergestaltungen. Egalisierung und Uniformierung aber, wie sie der Nationalismus gleichmäßig bei den verschiedenen Völkern verlangt, ist durchaus kulturfeindhch. Ranke hat in seiner Darstellung der römischen Geschichte gesagt: „Niemand ist lediglich ein Bürger des Gemeinwesens, dem er angehört. Das Menschliche erhebt sich aus dem Nationalen und über dasselbe. Darauf beruht alle Religion, überdies aber auch alle Teilnahme an der Entwicklung des menschlichen Geschlechts." Solange also Religion, im Sinne des jüdisch-christlichen Monotheismus, im Abendland eine Rolle spielt, ist die Erziehung und Verinnerlichung nicht einfach der staatlichen Obrigkeit überlassen. In diesem Sinne ist auch im Judentum Familie und Volk, Schule und Kultur von einem Gesetz bestimmt, dessen moralische Bedeutung für jede Ordnung darin besteht, daß Mensch und Geist letzthin frei und schöpferisch bleiben. Ohne diese Freiheit, die aus dem Glauben stammt, Sittlichkeit und Recht, wie Kunst und Wissenschaft hervorbringt, versinkt der Mensch in die Barbarei des Despotismus. 432

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