Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1932)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1932-12-01
- Page
- 400 (sequence 2)
- Language
- German
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Anzeigen in Hessen und seiner Familiengeschichte ein Gesamtbild der künstlerischen und handwerklichen Betätigung der hessischen Juden hervorbringt. Im zweiten Beitrag gibt Rechtsanwalt und Notar Julius Dalberg eine „Volkskunde der Hessen-Kasseler Juden". Aus dreifacher Bindung durch Landschaft, Judentum und Umwelt entwickelt sich ein durchaus charakteristischer Menschenschlag. Typus und Gestalt, Speise und Trank, Vor- und Zunamen, Sprache und Dialekt werden untersucht zum Beweis für die Feststellung, „daß die Juden in Hessen von Süden nach Norden eingewandert sind, und daß sich unter ihnen verhältnismäßig wenig Rückwanderer aus Polen befinden". Hinweise auf die Charaktereigenschaften, die Stellung zu Religion, Brauch und Kultus, Aberglauben und Witz der hessischen Juden schließen die besonders humorvolle und lebendige Schilderung ab und geben einen Beweis für die Heimatverwachsenheit der hessischen Juden. Dem dritten Mitarbeiter Landrabbiner Dr. Gotthilf Walter bleibt für sein Thema „Geschichte der Religionsschule und des Kultus" nur noch die Möglichkeit, die Entwicklungsgeschichte der Schule und einiger Kultuseinrichtungen (Orgel, Synagogenordnung und Einführung einer zweiten orgellosen Synagoge) darzustellen. Der vorliegende erste Band ist seiner Aufgabe in vollem Umfange gerecht geworden und hinterläßt beim Leser nur den einen Wunsch, daß der zur Ergänzung notwendige zweite Band, der die politische Geschichte und die Rechtsverhältnisse *der Kasseler Juden bringen soll, recht bald erscheinen möge. Rudolf Stahl. Esriel Carlebach, Exotische Juden iq32. Der Heine-Bund, Berlin. 2 46 S. 6 Mk. Mit Spannung und großem Interesse liest man dieses Buch. Es enthält Beobachtungen, die der Verfasser auf seinen Reisen an Juden in Saloniki, Marokko, Tunis, Tripolis, der Sahara, des Jemen, an Karäern, Marannen und muhammedanisierten Juden gemacht hat. Er sucht die Eigenart eines jeden dieser, oft splitterhaften, Teile der Judenheit — er sieht, nach seiner Grundeinstellung das alles volkhaft — festzustellen und sie aus ihren Schicksalen und Ursprüngen und dem Zusammenhang ihres Soseins mit dem Gesamtablauf jüdischer Geschichte zu erklären. Wenn man auch oft des Eindrucks sich nicht erwehren kann, daß manches auf eine zu einfache Formel gebracht ist, daß unter den vielerlei Motiven, die artprägend wurden, eines zu stark betont ist, so ist doch nicht zu leugnen, daß man einer überraschenden Fülle von oft ganz unbekannten Beobachtungen und verblüffenden Tatsachen gegenübergestellt wird. Das große Wunder des jüdischen Geschichtsganges und die Dauer und Festigkeit Israels va allem politischen und kulturellen Wandel wird erneut ins Bewußtsein gehoben. Das Buch ist eine vorzügliche jüdische Unterhaltungslektüre. Max Dienemann. Inhalt des letzten Heftes: Max Dienemann: Aus dem jüdischen Neujahrsgebet. — Ismar Freund: Staatsangehörigkeit und Staatenlosigkeit. — Bruno Italiener: „Der Segen Jakobs". — Gottfried Salomon: Soziologie des Judenhasses. — Friedrich Hertz: Der erste Weltbürger. — Max Eschelbacher: Gibt es jüdische Geheimgesetze? — Volkmar Frobenius: Antisemitismus? — Skizze einer Utopie. — Ludwig Holländer: „Antisemitismus?". Ein Nachwort zum Artikel von Volkmar Frobenius. — Herbert Klein: Ernest Bloch — Mensch und Musiker. — Edith Falk: ,.Aufruhr gegen den Geist?" Eine Erwiderung an Ernst Holzer. — Erich Stern: Neuere Literatur zur Psychotherapie. — Wilhelm Michel: „Der gotische Mensch".— Eduard Strauß: Eine jüdische Theologie? —Anzeigen. Dieser Nummer liegen Prospekte bei vom Verlag J. C. B. Mohr, Tübingen und vom .Schocken-Verlag, Berlin. 400