Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1932)
- Article
- Motive in Spinozas Lehre
- Date
- 1932-12-01
- Page
- 356 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Leo Baeck: Motive in Spinozas Lehre Selbstverständliches gelten, aber es ist doch nicht selten in Zweifel gezogen worden. Es braucht nur an Schopenhauers Schutzrede erinnert zu werden, es sei ebensowenig nötig, daß der Heilige ein Philosoph als der Philosoph ein Heiliger sei, so wie es nicht nötig sei, daß ein vollkommen schöner Mann ein großer Bildhauer oder daß ein großer Bildhauer auch selbst ein schöner Mann sei. Spinoza hat, als die Menschen ihn entdeckten, nicht nur den Verstand, sondern auch das Gemüt ergriffen, vermöge dessen, daß sich sein Leben als Zeugnis für seine Lehre darbot. Und dies war, wenn auch sein Leben zuerst eindeutiger, gradliniger erschien, als die Forschung es später aufgezeigt hat, doch kein trügender Eindruck. Die Einheit von Intellekt und Wille, die sein System darlegen wollte, war in ihm Wirklichkeit geworden. Er ist auch darin einer der Seltenen in der Geschichte menschlichen Denkens. Die Motive seiner Lehre rechtfertigen sich in der Wahrheit seines Lebens. 356