Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1932)
- Article
- Motive in Spinozas Lehre
- Date
- 1932-12-01
- Page
- 349 (sequence 1)
- Language
- German
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Motive in Spinozas Lehre Von Leo Baedk Der tiefe und eigentliche Grund der Philosophie Spinozas ist in seinem eigentümlichen Genius gegeben, der schon früh zu sich gelangte und auf seinem Wege blieb. Aber sein Denken auch hatte die Anlässe, die Lebensereignisse, die es angriffen und ihm einen Beginn und eine Richtung wiesen. Novalis, der dem Innersten der Lehre Spinozas in manchem nahegekommen war, spricht von ihr in seinen „Fragmenten" mit der einen kurzen Frage: „Was suchte Spinoza?" Und er meint damit ohne Zweifel das, was das Daseinsschicksal der Menschen für ihre Philosophie bedeuten kann, diese „genialische Empirie", von der er gelegentlich spricht, und die er darin findet, daß „die Denkungsart eine Wirkung der Außenwelt und des Faktums" wird. Diese wirksame Tatsache war für Spinoza die Ausstoßung aus der Gemeinde gewesen. Durch sie wurde der Platz seines Daseins ihm zur Aufgabe des Denkens. Sein Genius war vor die Frage hingeführt, was der Mensch in der Welt, in die er hineingeboren war, bedeutete, worin er den Raum, den Sinn und das Recht seines Lebens besäße. Motiv und damit auch letztes Ziel seines Nachsinnens wurden so das politische und das ethische Problem; denen hat sein System die Grundlegung und den Aufbau bereiten wollen. Schon die Bezeichnungen seiner Hauptwerke, „Theologisch-politischer Traktat", „Ethik", „Politischer Traktat" zeigen es auf, was er „suchte", woher und wohin sein Genie eine Richtung erhielt. Die Peripetie seines Lebens hatte ihm die Frage gestellt. Auch von daher kann es begreiflich werden, warum die Staatsphilosophie Spinozas so bestimmt den staatlichen Absolutismus gefordert und er, der Ethiker, daher in Anlehnung an Machiavelli eine unbedingte Realpolitik des Staates verfochten hat, so daß ein Staatsrechtslehrer der vorigen Generation, 349