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Der Morgen · 1932-12-01 · Heft 5 (Dezember 1932) · p. 331

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 5 (Dezember 1932)
Article
Spinozas Stellung in der allgemeinen Geistesgeschichte
Date
1932-12-01
Page
331 (sequence 7)
Language
German
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Spinozas Stellung in der allgemeinen. Geistesgeschichte misse, auf diese Definition des Naturbegriffs, sucht Bayle zu zeigen, daß die Identität des Seins, die Spinoza zwischen Gott und Natur behauptet, dem Göttlichen jeden Wert rauben, daß sie es mit allen Mängeln und Makeln de bloß-Natürlichen behaften muß. Was ist dieser Spinozistische „Gott", der nicht nur mit der Ausdehnung zusammenfallen, sondern der auch in jedem noch so begrenzten und unvollkommenen Teil eben dieser Ausdehnung enthalten und gegenwärtig sein soll? Was ist er, wenn wir ihm nicht nur das Denken überhaupt zusprechen, sondern wenn wir auch jede noch so verworrene Vorstellung und jeden dumpfen und widervernünftigen Trieb als eine notwendige und gleichberechtigte Darstellung seines Wesens ansehen? Nicht nur die Aufhebung der Religion, sondern auch die Auslöschung der reinen Erkenntnis und der reinen Sittlichkeit wäre die unausweichliche Folge einer derartigen Grundauffassung.1) Bayle hat auch in dieser Beweisführung seine logische Virtuosität und seinen kritischen Scharfsinn nicht verleugnet; aber inhaltlich bricht freilich seine gesamte Argumentation in sich zusammen, sobald man sich zu dem schlichten Sinn der Spinozistischen Grundbegriffe zurückwendet. Es ist eine Verkennung dieses Sinns, wenn Bayle die „Natur" als die bloße Summe der Dinge nimmt, während Spinoza sie als ihren Inbegriff versteht; wenn er sie zu einem Aggregat macht, während Spinoza sie als ein System, als ein Ganzes universeller Regeln faßt, die die Ordnung und Verknüpfung alles Besonderen gewährleisten. Und noch eine andere und radikalere Bestimmung des Spinozistischen Naturbegriffs ist es, die Bayle verkennt und übersieht. Wenn Spinoza von der Natur spricht, so versteht er darunter nicht ausschließlich, ja nicht einmal vornehmlich, einen bestimmten Kreis von Dingen, von empirischen Objekten. Der Sinn des Spinozistischen Naturbegrüfs greift vielmehr weiter, und er dringt tiefer. Was durch ihn bezeichnet werden soll, ist nicht sowohl eine Mannigfaltigkeit von Gegenständen, als vielmehr eine bestimmte, scharf charakterisierte und in sich einheitliche Funktion der Erfassung der Gegenstände. In diesem Sinne verstanden hat der Begriff der Natur sein Korrelat, sein Gegenbild und seinen prinzipiellen Gegensatz, am Begriff der Offenbarung. Die „Natur" ist diejenige Erkenntnisquelle, die sich in ihrem Ursprung und in ihrer Beschaffenheit von der Offenbarung unterscheidet. Sie faßt die Gesamtheit all dessen zusammen, was dem Menschen durch das Aufgebot seiner eigenen Erkenntniskräfte, ohne „übernatürliche" Hilfe und Assistenz, erreichbar und kraft ihrer bestimmbar ist. Und Spinozas Grund- J) Vgl. Bayle, Dictionnaire historique et critique, Artikel: Spinoza. Remarque N. 331

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