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Der Morgen · 1932-12-01 · Heft 5 (Dezember 1932) · p. 325

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 5 (Dezember 1932)
Article
Spinozas Stellung in der allgemeinen Geistesgeschichte
Date
1932-12-01
Page
325 (sequence 1)
Language
German
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Spinozas Stellung in der allgemeinen Geistesgeschichte Von Emst Cassirer /. Die geschichtliehen Schicksale der Spinozistischen Philosophie. Von allen großen philosophischen Systemen scheint die Lehre Spinozas am wenigsten einer rein-historischen Interpretation zu bedürfen, noch scheint eie einer solchen Interpratation im strengen Sinne zugänglich zu sein. Denn schon ihr Inhalt und ihre gedankliche Methodik rückt sie über den Kreis des bloß- Geschichtlichen hinaus. Dieser Inhalt spricht für sich selbst und steht auf sich selbst; er erhebt den Anspruch, aus seinem reinen Sein heraus verständlich und kraft desselben völlig begründbar zu sein. Jede Frage, die nicht auf dieses Sein, sondern die auf die Vor- und Nachgeschichte des Spinozismus, die auf sein Werden und Wirken geht, stellt daher bereits eine Ablenkung und eine Art Abfall von den gedanklichen Grundtendenzen dar, die in Spinoza selbst lebendig waren, und die die Gestalt seiner Lehre bestimmt haben. Spinozas System ist, metaphysisch betrachtet, ein System des strengen Monismus: es hebt den Gegensatz zwischen Natur und Geist, zwischen Ausdehnung und Denken, zwischen Gott und Welt auf. Aber eine Entgegensetzung, ein ursprünglicher und unaufheblicher Unterschied bleibt in ihm bestehen, der sich nicht auf das Sein als solches, wohl aber auf unsere Erkenntnisart desselben bezieht. Die Erkenntnis vollzieht sich in streng gegeneinander abgegrenzten und scharf voneinander abgehobenen Stufen, deren keine mit der andern verwechselt noch mit ihr vermischt werden darf. Ihr Weg führt von der Sinnlichkeit und der Einbildungskraft zur „Vernunft", von dieser zur „Intuition" weiter: und erst mit dieser letzteren ist uns das Gebiet des eigentlichen, des streng-philosophischen 325

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