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Der Morgen · 1932-10-01 · Heft 4 (Oktober 1932) · p. 319

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 4 (Oktober 1932)
Article
[Rezension]
Date
1932-10-01
Page
319 (sequence 4)
Language
German
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Anzeigen lebnisses, dem letzten Endes jene Versachlichung des Erkennens nur dienen soll. Hugo Bergmann. Hedwig Koch: Das Generationsproblem in der deutschen Dichtung der Gegenwart. Ein Beitrag zur Charakterologie des Verhältnisses der Generationen. Fr. Manns Pädagogisches Magazin. Heft Nr. i3o8.H.Beyer OL öuhne, JLangensalza 1900, 11ÖS., o iVlk. Das in den letzten Jahren immer und immer wieder diskutierte Generationsproblem erscheint durch die charakterologisch-typologisch aufgebaute Untersuchung Kochs in neuer .beleuchtung. Die kluge und feinsinnige Verfasserin, eine Utizschülerin, ist der Gefahr einer gewissen Schematisierung nicht ganz entgangen. Das gilt besonders für die zweite Hälfte der Darstellung (Kap. 3), in der sie versucht, die äußerst schwierige „geistesgeschichtliche Bedingtheit der Typen" herauszuarbeiten. Von Varianten abgesehen, werden beim Vater-Sohn-Problem vier Hauptgruppen unterschieden (Kap. i): eine negativ-zerstörerische Auflehnung des Sohnes gegen die potestas patris (Werfel); Kampf gegen den Vater auf dem Boden einer positiv aufbauenden Idee {Wassermann); eine versöhnliche Haltung der Jungen gegen die Alten, einer konservativen Lebensform entspringend (Hans Grimm); und schließlich eine durch Versagen der alten Generation bedingte hoffnungslose Resignation der Jugend (Remarque, Roth). j Das 2. Kapitel prüft unter den gleichen Einteilungsprinzipien, die zunächst den Einzelcharakteren gegolten hatten (Kap. 1), das Verhalten der geschilderten Typen in der sozialen Umwelt (Elternhaus, Schule, Freundeskreis, Beruf). Der Generationskonflikt findet sich fast ausschließlich in den gehobenen Schichten des Bürgertums: der Protest der Jungen gegen die Kulturüberlieferung der Alten ist nur innerhalb eines Rahmens sinnvoll, in dem sich diese Tradition auswirken kann; der proletarische Vater aber kann sich mit dem Sohn solidarisch erklären im gemeinsamen Kampf gegen die Bourgeoisie. Ein paar Einwendungen, die den Wert des gescheiten Buches nicht herabmindern sollen: „Verzerrte Lehrergestalten" (S.70) erscheinen nicht erst in der expressionistischen Dichtung, sondern schon bei Wedekind und den Brüdern Mann; der „gute und nette Lehrer" ist eine Erscheinung der Nachkriegsdichtung. Eine Jugendbewegung bestand seit iSgö, nicht erst seit 1910 (S.86). — Wenn vom Kampf der Generationen in „biologischer und geistesgeschichtlicher" Hinsicht die Rede ist (S. 102), darf die wichtige Generation-der um 1860 Geborenen („die Naturalisten") auf keinen Fall unerwähnt bleiben. Gerda Eichbaum. Die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Beruh widmet ihren diesjährigen Bericht der Feier ihres 60jährigen Bestehens. Das Kuratorium gibt einen kurzen Abriß der Geschichte der Hochschule. Von der Notwendigkeit ihrer Existenz zeugt die Frequenz, sie ist zurzeit von i3o ordentlichen Hörern besucht. Nur zu einem Teil sind die Hörer angehende Rabbiner; Studierende aller Fakultaien erwerben sich auf ihr vertiefte jüdische Bildung. Um so bedauerlicher ist die bedrohliche finanzielle Situation, weist doch der Bericht die Tatsache auf, daß man im laufenden Jahr stark vom Kapital zehren mußte. Es wird notwendig sein, planvoll der Hochschule zu Hilfe zu kommen. Dem Bericht fügten die Dozenten der Hochschule kurze, in ihrer Gedrängtheit vorzügliche Abhandlungen aus ihren Wissenschaftsgebieten an. Dr. Torzyner macht in seinem Beitrag „Vom Ursinn der Bibel" exegetische Bemerkungen, die in das Thema gehören, das Geiger einst in seinem epochalen Werke „Urschrift und Übersetzungen der Bibel" anschlug. Manche dieser Bemerkungen sind verblüffend, nicht alle Beispiele allerdings wirken überzeugend. Prof. Dr. Elbogen sucht den Begriff der „Wissenschaft des Judentums" in seiner Anwendung auf modernste Gebiete zu klären; besonders wertvoll die Bemerkungen üben das Programm der Jerusalemer Universität. Dr. Baeck setzt sich mit der protestantischen dialektischen Theologie auseinander und zeigt auf, von welchen grundsätzlich anderen Voraussetzungen jede jüdische Theologie ausgeht. Prof. Dr. Guttmann schreibt über „die Idee der religiösen Gemeinschaft im Judentum", und Dr. Ahlbeck liefert einen Beitrag „zur neueren Tahnudforschung"; ein besonders interessantes Ergebnis dieser Arbeit ist der Nachweis, daß man bis ins 18. Jahrhundert in Deutschland die Schwagerehe wirklich vollzogen hat. D. 319

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