Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1932)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1932-10-01
- Page
- 316 (sequence 2)
- Language
- German
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Anzeigen über die Anfänge der Prophetie, über die alte Gesetzgebung und Kultverfassung zu sagen hat, verdient höchste Beachtung- Auch der Kenner der einschlägigen Literatur wird das" Buch mit Genuß und Nutzen lesen. I.E lb oge n. Kardinal Faulhaber: Die Vesperpsalmen der Sonn - und Feiertage weiteren Kreisen erklärt. Verbesserte und vermehrte Neuauflage. 80 342 S. Verlag Josef Kösel und Friedrich Pustet, München iq3o. In der Neuauflage hat Faulhaber die erste Auflage von 1906 durch Zusätze verbessert, besonders auch durch zwei Kapitel vermehrt. Das eine dieser Kapitel ist die sehr beachtenswerte Einführung „Zum Verstehen der Psalmen im allgemeinen". Der Kardinal dringt in seinen Erläuterungen zu den einzelnen Psalmen tief in das Wesen und in den Geist der Psalmen ein und schildert überaus lebenswahr in kernhafter und formvollendeter Sprache, was diese Klassiker der religiösen Dichtung zutiefst empfunden haben. Daß die Gläubigen in allen Bekenntnisgemeinschaften eine Einheitsfront bilden müssen, bestätigen uns Faulhabers Darlegungen immer wieder. Unbeschadet seiner katholischen Haltung bemerkt er zu Ps. i3o: „Das religiöse Leben des Alten Bundes kann also trotz aller Äußerlichkeiten doch nicht so geistlos gewesen sein, wenn es für den Gottesdienst „im Geiste und in der Wahrheit" solche Gebete als Erbschaft hinterlassen konnte. Auch der folgende Vesperpsalm atmet so echten Bußgeist und so starkes Vertrauen, daß ein Heiliger des Neuen Bundes uns kaum ein schöneres Gebet hätte schenken können." S. 227. In jeder Apologetik des Judentums könnten Faulhabers Bemerkungen zu Ps. 113, 4 stehen. Die Sendung Israels stellt er ins Licht, indem er zu Ps, nif4 ausführt: „Das Offenbarungsvolk selber ist ein lebendiges Wunderdenkmal und hat wie ein Denkmal die Aufgabe, die Wunder Gottes vor Vergessenheit zu bewahren und zu verewigen." S.66. Nicht können wir Faulhabers Beurteilung der sogenannten „Unschuld- und Fluchpsalmen" zustimmen, seinen christologischen und mariologischen Deutungen, seiner Kritik der Pharisäer. Ernst Steckelmacher. Erich Jaensch: Wirklichkeit und Wert in der Philosophie und Kultur der Neuzeit. Berlin, Otto Eisner, 254 Seiten. Die Periode der Herrschaft der neukantischen Philosophie ist zu Ende und durch neue Gestalten des Denkens abgelöst. Die Zeit ist weit genug fortgeschritten, so daß man nunmehr versuchen kann, von höherer Warte aus den Sinn der Epoche zu verstehen, deren philosophischer Ausdruck die neukantische Philosophie war. Dieser Versuch ist jetzt von dem Marburger Psychologen und Philosophen Erich Jaensch unternommen worden. Jaenschs Bewertung der eben vergangenen philosophischen Epoche lautet, in wenige Sätze zusammengedrängt, ungefähr so: Diese Philosophie hat, in einer Zeit schwerster Bedrohung der ewigen Menschheitswerte durch den Angriff der positivistischen Wissenschaftsrichtung, diese Werte gerettet, allerdings um einen furchtbaren Preis. Sie hat sie der Wirklichkeit entrissen, einen harten Strich zwischen Wirklichkeit und Wert gezogen, die Wirklichkeit dem mechanischen Materialismus der positivistischen Wissenschaft preisgegeben, die Werte aber in die unendlich ferne Region des Idealen verlegt, wo sie allerdings dem Angriff des Positivismus entzogen waren, aber auch den Menschen unerreichbar wurden. Die Einheit des Weltbildes zerfiel: Hier steht jetzt das kalte, entseelte Objekt einer seelenlosen Wissenschaft, dort leuchten in schwachem überirdischen Glänze die unendlich fernen Werte, dem Kampf - gewühl entrissen, das einst um sie getobt hatte. Denn nunmehr ist der Friede hergestellt. Die positive Wissenschaft, in ihren Bezirken sicher und ungestört, läßt sich die philosophischen „Komplementärtheorien" gerne gefallen, die geschaffen worden sind, um der wertentfremdeten Wirklichkeit eine wirklichkeitsentfremdete Welt der Werte ergänzend hinzuzufügen. Wenn die positive Wissenschaft sich darin gesichert weiß, daß ihr Objekt, die Wirklichkeit, nicht durchkreuzt werden wird von den Geltungsansprüchen der Werte und Ideen, durch welche die Philosophen früher die Kreise der Wissenschaft verwirrten, so ist sie gern bereit zuzugeben, daß es einen Bereich des Unwirklichen gibt, in welchem diese Werte und ihre Geltungsansprüche zu Recht bestehen, in welchem ein Sinn waltet, kurzum, in welchem es all das gibt, was die Philosophen früher in der Wirklichkeit selbst ge- 3t6