Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1932)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1932-10-01
- Page
- 315 (sequence 1)
- Language
- German
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Anzeigen Elias Auerbach: Wüste und Gelobtes Land. Geschichte Israels von den Anfängen bis zum Tode Salomos. XII u. 3o8 S. mit 12 Abbildungen und 8 Abbildungen im Text. Kurt Wolff Verlag A.-G. Berlin ig32. Es fehlt nicht an Darstellungen der israelitischen Geschichte, jede neue muß sich durch ihren Eigenwert rechtfertigen. Was die vorliegende auszeichnet, ist zunächst die Tatsache, daß der Verfasser 20 Jahre in Palästina gelebt und daher den Schauplatz dieser Geschichte genau kennengelernt, für die Seele des Orients und des Orientalen tiefes Verständnis gewonnen hat. Dazu tritt volle Beherrschung der Quellen, der biblischen wie der sonstigen altorientalischen, der literarischen und der archäologischen. Diese Geschichte ist in ihm lebendig, und er versteht es, sie anschaulich zu erzählen. Wer so vortreffliche Kartenskizzen zeichnet wie der Verfasser, hat eine klare Vorstellung von den zugrunde liegenden Ereignissen und die Fähigkeit, sie plastisch wiederzugeben. Er ist um realistische Schau von Dingen und Personen bemüht, er will die Geschichte verstehen und verständlich machen, wie sie gewesen ist, als wirkliche Volksgeschichte. Zwei einleitende Kapitel behandeln „Palästina ils Schauplatz der Geschichte" und „Die Quellen der altisraelitischen Geschichte". Der Stoff selbst ist in die drei Kapitel eingeteilt: „Die Vorzeit", d. h. die Vorzeit des Landes und die des Volkes; „Die Anfänge Israels", d. h. die Einwanderung und Festsetzung in Kanaan sowie die Auseinandersetzung mit den früheren Bewohnern; und „Nation und Staat", d. h. die Kämpfe mit den Philistern und die Regierung der drei ersten Könige. Neu und aufschlußreich ist „die grundlegende Erkenntnis von Art und Aufbau der älteren biblischen Geschichtsquellen, die Erkenntnis vor allem, daß uns hier in weit größerem Ausmaß, als bis jetzt geglaubt wurde, wirkliche Geschichtsquellen erster Ordnung und hohen Alters vorliegen." Der Verfasser zeigt uns die Bedeutung des großen zusammenhängenden Geschichtswerks, das er auf Ebjatar, den Priester Davids, zurückführt, das aber rückweisend ganz nahe an die Zeit Moses heranreicht. Neu und einleuchtend ist Auerbachs Auffassung von der Einwanderung und Festsetzung in Kanaan, den Beziehungen zwischen den Nord- und den Südständen, den langwierigen Kämpfen, die zur allmählichen Durchdringung des Landes führten. Neu auch seine Auffassung von der Persönlichkeit Sauls, in dem er einen großen Staatsmann und den eigentlichen Begründer der Nation sieht. Neu ist auch die exakte Durcharbeitung der militärischen Vorgänge, die Verbindung von Geschichte und Geographie, die Aufklärung politischer Zusammenhänge und Absichten. Aber auch wo er nicht grundlegend Neues findet, wird der Leser durch die Kraft und Klarkeit der Darstellung gefesselt. Die geschichtlichen Zusammenhänge werden mit Meisterschaft offengelegt, die handelnden Personen ausdrucksvoll gezeichnet. Jedes der drei Hauptkapitel behandelt auch die Kultur des betreffenden Zeitabschnitts: die materielle Kultur, die durch vortreffliche Abbildungen vergegenwärtigt ist, vor allem aber die geistige und religiöse, die das Kennzeichen Israels ist und die einzigartige Bedeutung dieses Volkes für die religiöse Entwicklung der Menschheit bedingt. Auch zu diesen zentralen Problemen steht der Verfasser in tiefer innerer Beziehung. Was er über das Wesen und Werden der Gottesvorstellung, 315