Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 8 (1932-1933)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1932)
- Article
- Eine jüdische Theologie? [Rezension]
- Date
- 1932-10-01
- Page
- 314 (sequence 3)
- Language
- German
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Eduard Strauß: Eine jüdische Theologie? Krisis" entsprungen, die Männer wie Karl Barth, Emil Brunner und Friedrich Gogarthen ihren Glaubensgenossen gegen wiederaufbrechendes Heidentum zur Hilfe bieten. Gerade diese Theologie mit ihrem ganz christlich -eschatologischenCharakter will Schöps dem Juden der Gegenwart bringen — Heideggers Philosophie vielleicht noch dazu — und gerade ihrer bedarf der Jude nicht. Denn in der jüdischen Existenzfrage — der einzigen, die es überhaupt, und im allerheiligsten Sinn, für den Juden gibt — hilft nicht (etwa für die Kanzelrede in den Synagogen) der Austausch einer alten, als falsch erkannten Ideologie gegen eine neue, die, von außen herangebracht, nichts anderes bedeutet, als eine uns unerlaubte Verlegung unseres Schwerpunkts im Geiste und letztlich eine neue Art von Assimilation. Wenn Schöps die protestantisch-christliche Problematik der Zeit in den jüdischen Lebensraum verlegen will, dann muß er die unmögliche Voraussetzimg machen, daß man durch eine wahrhaftige Glaubenspredigt (der Synagoge?) genau so Jude werden könne, wie man — der Heide — durch die Predigt der Kirche zum Bekenner des christlichen Heils bekehrt wird. Allein in dem Augenblick, da wir wissen, daß dem nicht so ist und daß der ewige Anteil von Jude und Christ eben darin besteht, daß dem nicht so sein darf, fällt dieser Versuch einer ernstgemeinten theologischen Assimilation dahin. Das Buch, das Hans Joachim Schöps in der Fremdsprache seiner Schule geschrieben hat — ich möchte wohl wissen, ob man es ins Hebräische übersetzen könnte — ist ein wichtiges Buch; besonders anzuerkennen ist die Vertrautheit mit manchen viel zu wenig gekannten und beachteten Schriften jüdischer Theologen des vorigen Jahrhunderts und der betonte Hinweis auf deren theologische Arbeit; hier wird ein vergessener Bezirk jüdischer Geistigkeit neu erschlossen; und wichtig ist, wie Schöps von der Offenbarung als der Grundvoraussetzung jüdischer Seelenhaltung ausgeht. Darum muß das Buch gelesen und durchdacht werden — vielleicht am ersten noch von seinem Autor selbst und zwar ihm gegenüber „von außen", d. h. vom rabbinischen Judentum her. Dem Nichttheologen ist es wichtig nicht allein um guter, oft nur in den vielen Anmerkungen gegebener Gedanken, sondern um des gefährlichen Problems willen, das sich „jüdische Theologie" nennt und das, wie es scheint, immer dann auftaucht, wenn es um unsere Unterscheidung geht. Wenn es aber so etwas, wie eine jüdische Glaubenslehre geben wird, dann wird deren Arbeit sich in der Richtung bewegen müssen, die Martin Bubers neuestes Werk vielversprechend eingeschlagen hat. 314