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Der Morgen · 1932-10-01 · Heft 4 (Oktober 1932) · p. 313

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 4 (Oktober 1932)
Article
Eine jüdische Theologie? [Rezension]
Date
1932-10-01
Page
313 (sequence 2)
Language
German
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Eine jüdische Theologie? Betrachtung an theologischer Literatur hier zusammengetragen wird, läßt staunen über den immerhin nicht allzu großen im jüdischen Leben fühlbaren Ertrag; zu einer an sich gewiß interessanten Geschichte ähnlich gerichteter Versuche im 19. Jahrhundert macht Schöps einen verheißungsvollen Ansatz, dessen Ausführung — wenn denn schon das christliche Vorbild sein muß — Schweitzers forschungsgeschichtliche Arbeiten zum Muster nehmen mag. Vordem findet Schöps es nötig, von der Geschichte der protestantischen Lehrdisziplin „Alttestamentliche Theologie" zu handeln: diese Notwendigkeit und die Art, wie ihr entsprochen wird, entspringt offensichtlich der Lehrquelle, aus der dieser unjüdisch-jüdische Theologe geschöpft hat: sie ist die christliche der „dialektischen Theologie". Wenn Schöps die Situation des Judentums seit Mendelssohn in schärfster Ablehnung liberalistischer und extremrationalistischer Gedankengänge und Irrgänge kritisch charakterisiert, so leistet er zweifellos verdienstliche, wenn auch heute für weite jüdischbewußte Kreise keineswegs mehr radikal neue Arbeit; wenn .er gleichzeitig den Kern jüdischen Glaubens nicht in einer in die Halacha sich einspinnenden Orthodoxie finden kann, hat er vielleicht recht. Widersprochen muß ihm aber werden, wenn er das Heil — und wäre es auch nur das einer an sich schon fragwürdigen jüdischen Theologie — in der Übertragung christlicher Problematik und Methodik zu finden hofft. Schöps sieht die jüdische Situation in der genau gleichen Bedrohung wie die protestantisch-christliche (die er sehr genau kennt), nämlich in der der Glaubenslosigkeit. Hier ist der entscheidende Fehlpunkt des Ganzen — hier auch der Punkt, in dem es geboten erscheint, jede Bezugnahme auf Rosenzweigs Werk entschieden zurückzuweisen. Eine Frage nach dem Glauben, und erst recht einen Kampf um den rechten, als solchen lehrbaren Glauben gibt es im Judentum in dem zentralen konstitutiven Sinne, wie im Christentum, nicht. Dem Juden ging und geht es zu allen Zeiten um die konkrete Erinnerung daran, daß Gott seinen Vätern geholfen hat, daß er nur deshalb da ist, weil Gott dies getan hat, und daß sein Volk in der Stunde der geschichtlichen Offenbarung zum Gottesvolk geworden ist, dem er unablösbar angehört und zu dem er in seiner Lebensgestaltung heimkehren kann, aus fernster Ferne und aus noch so entschiedenem Abfall. Um diese Heimkehr — nicht zum Glauben an Etwas, sondern zum vertrauenden Sein — zu bewirken, braucht auch der vertriebene Jude keine fremden Treppen zu steigen. Ganz anders dagegen ist die Situation des Christen: Christianus fit, non nascatur. Der heidnische Mensch wird Christ durch den Glauben; diesen Glauben lehrt und verbreitet die Kirche über die Welt — was entspräche dem im jüdischen Bereich? In jeder Stunde seines Lebens, vom ersten schenkenden Erlebnis und der von ihm ausgehenden Erneuerung an, muß der Christ um diesen Glauben sich mühen; wenn dem Juden Gnade zuteil wird, so ist es die, daß er Jude sei und bleibe — wenn dem Christen Gnade zuteil wird, dann die, daß er christlich glauben könne. Aus der Lage des heutigen Christenmenschen, der in furchtbar-richterlichem Emst vor dieser Zeit steht und gegen sie um seinen Glauben ringt, ist die neue „Theologie der 313

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