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Der Morgen · 1932-10-01 · Heft 4 (Oktober 1932) · p. 312

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Journal
Der Morgen
Volume
8 (1932-1933)
Issue
Heft 4 (Oktober 1932)
Article
Der gotische Mensch [Rezension]
Date
1932-10-01
Page
312 (sequence 3)
Language
German
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Eduard Strauß entgöttert". Man kennt ja diese Einwände, die in naturgläubigen völkischen Kreisen stehendes Rüstzeug sind; man kennt sie auch in der Fassung Nietzsches und der Psychoanalyse- Die Wahrheit ist, daß das Christentum, wie man im hellenischen Kulturbereich genau verfolgen kann, diese „Entgötterung" des Irdischen als vollzogene Tatsache vorfand und sie geheilt hat. Eine jüdische Theologie? Von Eduard Strauß Es ist die Eigentümlichkeit des jüdischen Geisteslebens in der Zerstreuung, daß unser Denken dauernd — eben weil es unser Denken ist — um den gemäßen Ausdruck des- Wesens „Gottesvolk" kreist und damit, in viel schwierigerer ungesicherterer Lage als die Kirchen, unsere Existenz deuten muß: dies geschieht aus der jeweils konkreten Situation heraus, die fast immer als eine von innen und außen bis zur Selbstaufgabe und bis zur Vernichtung bedrohte erscheint. Diese Deutungsarbeit, ein Sichselbst-Aufrufen und Erhärten im Begriff, geschieht im Zeichen einer Hineinnahme geistiger Umwelten und zugleich einer Auseinandersetzung mit dem Begriffsgut, das sich diese Umwelten für ihre eigenen Belange geschaffen haben. Immer, wenn die allgemeine Lage den jüdischen Menschen wieder einmal ganz an die Peripherie seiner Existenz führt — sei es in der mild überredenden Form ungestörten Friedens, sei es mit der Wucht feindlichen Vorwurfs unseres Andersseins — ergreifen diejenigen, denen!) Philoverlag Berlin 1982. 96 S. 3.- in philosophischer oder theologischer Art das Bewußtmachen und Deuten zur Aufgabe wird, Gedankenmaterial von draußen und bringen es an unsere Existenz heran; es geschieht das Paradoxe, daß sie den Versuch machen, Mittel anzugleichen als Hilfe für ein sonst Unvergleichbares. An unserem jüdischen Dasein wird sozusagen immer Allopathie getrieben. Mit einem Anschein von Recht allerdings: denn die Krankheiten aller Menschen verschonen uns ja nicht; warum sollten die gleichen Mittel nicht auch uns helfen? Dies zumal dann, wenn schwerste Krankheit unser Eigensein ausgelöscht zu haben scheint, wenn unser Gemeinschaftsgedächtnis geschwunden ist und wir in der unvermuteten — weil nicht eigentlich jüdischen, sondern christlichen — Lebensgefahr stehen, „Heiden zu werden". Diagnose und Therapie finden sich in dem Buche von Hans Joachim Schöps, das unter dem Titel „Jüdischer Glaube in dieser Zeit" *) die Vorarbeit zu einer „systematischen Theologie des Judentums" leisten will. Was zu historischer Mk. 312

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